SPIEL 2026: Von Würfeln, Wesen und wunderbaren Spielen

Die SPIEL 2026 ist vorbei. Es war wieder ein Rausch an Spielen, Menschen, Geschichten, Gesprächen und eine wunderbare Zeit. Blue und ich waren wieder unterwegs auf der Suche nach Neuheiten, Merch, aber vor allem auch allen, mit denen wir uns über unser aller Lieblingshobby austauschen konnten. Klar, wir haben auch wieder die Pressekonferenz und die Verleihung des Deutschen Spielepreises mitgenommen, den „Artengarten“ abgeräumt hat. Den Bericht zum Gespräch mit dem siegreichen Autoren Mathias Wigge und Feuerland-Geschäftsführer Stefan Rink findet ihr so schnell wie möglich hier.

Die Messe ist auch 2026 wieder gewachsen, hat sich mit Halle 8 nun auch die letzte noch freie Fläche der Messe Essen einverleibt und im Norden einen zusätzlichen Eingang geöffnet. Ausverkauft war die SPIEL 2026 trotzdem wieder an allen vier Tagen. Gedankenspielen, ob die SPIEL aus Platzgründen umziehen könnte, erteilte Rapp eine klare Absage: „Uns ist bewusst, dass wir die Messe Essen komplett ausreizen“, so Rapp. „Aber um direkt die Gerüchte zu zerstreuen: Ein Umzug ist nicht geplant. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die SPIEL am Standort Essen in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln. Wir wollen innovativ nach vorn gehen.“

Das hat mit „Essen spielt!“ in diesem Jahr schon begonnen. Es gab in der Stadt Events und Rabatte zur SPIEL 2026, außerdem besondere Spieleabende im 22. Stock des Rathauses, beim Zollverein und auf einem Schiff auf dem Baldeneysee. „Die SPIEL verbindet sich mit der Stadt“, freute sich Rapp über die bestens angenommenen Angebote.

Illustrator als Botschafter der SPIEL 2026

Der diesjährige SPIEL-Botschafter war der amerikanische Künstler und Illustrator Peter Mohrbacher. „Wir wollen die Brücke zwischen Kulturbereichen schlagen“, erklärt Carol Rapp, Geschäftsführerin des ausrichtenden Merz Verlags. Im ersten Jahr war es die Musik mit Alea von ,Saltatio Mortis’, bei der SPIEL 2025 das Rollenspiel und Cosplay mit Mháire Stritter, diesmal nun also ein Illustrator, der aber bei der Presssekonferenz blasser blieb als seine im vergangenen Jahr bestens vorbereitete Vorgängerin.

Aber auch er betonte: „Ich trage Spiele in meinem Herzen und habe viele zu Hause.“ Der Renner bei Familie Mohrbacher ist „Bomb Busters“, wobei der Künstler und sein Team schon weiter gekommen sind, als Rapp und ihre Gruppe, wie bei der Pressekonferenz zu erfahren war.

Deutscher Kinderspielpreis für „Toriki“

Danach ging’s zur Preisverleihung: Der Deutsche Kinderspielpreis ging an „Toriki“ von Wojciech Grajkowski, das von Mirakulus verlegt wird und auch schon auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2026 stand (gewonnen hat „Dito!). Frank Noack, Geschäftsführer von B-Rex Games, erzählte, dass „die Geschichte am Anfang des Spiels stand“. Eine Gruppe Kinder ist auf einer einsamen Insel gelandet und sucht einen Weg nach Hause. Das geschieht kooperativ und mit App-Unterstützung. „Das zieht dich einfach ins Spiel“, berichtet Noack.

Zwar ist „Toriki“ eigentlich nur einmal spielbar, weil die Geschichte dann bekannt ist. Aber ein Durchlauf beinhaltet sechs bis acht Stunden Spielspaß und Kindern ist es vielleicht auch gar nicht so wichtig, ob sie schon wissen, was passiert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen „Die Insel der Moonies“ und „Paleolino“.

Plätze vier bis zehn

Dann ging’s auch schon zum Hauptpreis. Die Plätze vier bis zehn ergatterten „Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft“, „Take Time“, „Rebirth“, „Cozy Stickerville“, „Am Goldenen Fluss“, „Star Trek – Captain’s Chair“ und „Mischwald – Dartmoor“.

So weit so gut. Dann wurde es ungewöhnlich. Erst kamen nacheinander die Vertreter für die Top-Drei-Spiele auf die Bühne. Gingen dann wieder.

„Artengarten“ gewinnt Deutschen Spielepreis bei SPIEL 2026

Um danach wieder zur Verleihung auf die Bühne zu kommen. Allerdings zuerst Platz eins, dann zwei, dann drei, was jegliche Spannung aus dem Spiel nahm. Wie auch immer: „Artengarten“ von Mathias Wigge, bei Feuerland erschienen, hat von der Brettspiel-Community die meisten Stimmen erhalten. Was Wigge und die Feuerland-Vertreter nach der Verleihung erzählt haben, lest ihr hier.

Den zweiten Platz holte sich „Boss Fighters QR“, das ich immer noch feiere, mittlerweile mit Spielmatten aufgemotzt und jetzt auch noch mit der Erweiterung versehen habe. Es ist nach dem Spiel des Jahres und Rang zwei beim Deutschen Spielepreis für „Dorfromantik“ der zweite Erfolgstitel für das Autoren-Duo Lukas Zach und Michael Palm bei Pegasus. Rang drei ging an „Galactic Cruise“ von T. K. King, Dennis Northcott und Koltin Thomson, ein 5,5 Kilo schweres Materialmonster, das sich toll spielt, aber auch viel Zeit braucht. Erschienen ist es im PD-Verlag.

Rundgang durch die Neuheitenschau

Nach der Pressekonferenz hat’s Blue und mich zur Neuheitenschau gezogen. Dort gab’s wieder extrem viel zu entdecken, zugleich flogen aber auch einige Spiele aus der „Möchte ich mir ansehen“-Liste.

Prima präsentiert haben zwei Piraten „Tea & Rum“, ein Kennerspiel mit viel Material und interessantem Dreh. Am Stand für die „Harmonies“-Erweiterung waren lustige Tiere unterwegs. Bei der „Monsterkiste“ ist mir ein knuffiges Wesen über den Weg gelaufen, das zu putzig war, um ein Monster zu sein. Wobei, wenn man ihm Futter aus der Kiste klaut…

„Can’t win“ kratzt Ego an

Unklar ist mir, warum ich ein Spiel spielen soll, das „Can’t win“ heißt. Vermutlich soll es den spielerischen Ehrgeiz anfachen…

Die Apex-Ideenschmiede war mit gleich drei Spielen bei der Neuheitenschau vertreten: Für „Gangs of Trash City“ – ein kleines, fieses Duell-Spiel mit großem Ärgerfaktor – warb ein „Waschbär“.

Neues von der Apex-Ideenschmiede

Martina Dobrindt zeigte mir den Lizenz-Titel „Hunted – Cyberpunk Edgerunners“, der an die bei Netflix zu streamende Anime-Serie angelehnt ist und kurz vor dem Highend-Open-World-Computerspiel „Cyberpunk 2077“ spielt. Sobald es lieferbar ist folgt die Review. Es ist ein kooperatives Spiel, in dem immer alle vier Charaktere am Start sind, egal wie viele Spieler am Tisch sitzen.

David, Lucy, Maine und Rebecca erfüllen in Night City zwölf verschiedene Missionen, die an die Folgen der ersten Staffel der Serie angelehnt sind. Dabei haben sie unterschiedliche Fähigkeiten zur Verfügung und der Spielplan baut sich Feld für Feld auf. „Es ist sehr variabel und nie zweimal das gleiche Spiel“, betont Dobrindt.

„Sylvans“ verknotet Hirn

Und dann wäre da noch das mystische „Sylvans“, das Maxine Metzger wundervoll in ihrer ganz typischen Farbwelt illustriert hat. Wie Andreas Dobrindt-Ostner erzählt, ist es eine spannende Mischung aus chinesischem Tierschach und javanesischer Mühle.

Mehr dazu lest ihr bald, wenn ich es gespielt und danach meine Hirnwindungen entknotet habe. Und ja, ich weiß, dass die Gefahr besteht: Ich hatte schon das Vergnügen einen Prototyp anzuspielen, außerdem hat Blue mit Dobrindt-Ostner ein paar Züge gespielt.

Michael Menzel mit „Batman – Gotham City Crimes“

Unweit davon sind wir auf Batman gestoßen. Der stand da einfach rum. Das hat selbst Meeps gewundert. Na gut, ganz überraschend war es dann doch nicht. Immerhin hat Michael Menzel sein kooperatives „Batman“-Spiel am Stand von Kosmos vorgestellt und mir auch gleich noch ein bisschen was zur Entstehungsgeschichte und seinem eigenen Comic-Fan-Dasein erzählt.

Zwischen all dem gab es noch viel mehr Spiele, auf die ich mich sehr freue. „Fame & Fable“ oder „Das Voynich Mysterium“ genauso wie „Arydnik“ und und und… Manchmal sagen Bilder mehr, darum – frisch aus der Neuheitenschau, wobei nur zu einigen Reviews folgen, wir wollen ja mal nicht übertreiben:

Geschichten von damals und heute

Zwei Anmerkungen braucht es an der Stelle aber doch noch: Es ist cool, wenn man sieht, wie aus einem Prototyp ein Spiel wird.

Vor einem Jahr bei der SPIEL 2025 hat uns Arnaud Charpentier, Gründer des französischen Verlags Matagot, seine schon recht weite Form von „Kano“ gezeigt. In diesem Jahr ist es auf dem Markt:

„Northgreen“ bei The Game Builders

Am ersten Publikumstag, dem Donnerstag, hat Blue erst mal großen Mut im Umgang mit unerfreulich aussehenden extraterrestrischen Wesen bewiesen. Kurz danach haben wir auch noch einen ausgesprochen plüschigen Yeti getroffen. Was fehlt jetzt noch? Nessi? Ich schau mal bei „Wundersame Wesen“ oder „Cryptic Nature“ nach…

Danach ging’s zu einem meiner Lieblingstermine jedes Jahr: The Game Builders und Andreas „ode.“ Odendahl besuchen. Mit ihm habe ich über die Neuheit „Northgreen“ gesprochen, zu dem es hier bald mehr zu lesen gibt.

Kurios und überaschend bei der SPIEL 2026

Allerlei lustige Figuren und Dekorationen waren auf der SPIEL 2026 wieder an den verschiedensten Ständen zu finden:

Überrascht hat mich der Kartenautomat der anderen Art – Trading-Card-Games sind eben ein besonderes Ding. Andernorts werfen Messe-Besucher Karten statt Pfeilen auf die Dartscheibe.

Messewürfel und Schmuck

Viele Verlage haben uns viele, viele Spiele vorgestellt, von denen viele Reviews folgen. Hier ein fröhlich-gespannter Vorausblick in Bildern:

Wie gewohnt hab‘ ich mir wieder den Riesenmessewürfel bei Chessex besorgen müssen. Diesmal kamen aber auch noch Würfel-Ohrringe und -Anhänger dazu.

Donnerstags waren wir unter anderem noch bei Kosmos, Spin Master Games und Piatnik, freitags bei Helvetiq zu Gast. Blue freut sich auf sein drittes Jumanji-Spiel, während ich hoffe, dass „Tetris Takedown“ bald erscheint – wir hatten Spaß beim Probespielen.

Hidden Gems: „Kulami“ und „Panorama“

Gleiches gilt für „Kulami“, das mein unerwarteter Messefund ist. Überraschend gut fand ich auch „Panorama“. Reviws folgen. Find’ ich beides prima, hatte ich so gar nicht auf dem Schirm.

Und natürlich kamen wir nicht an der „Batman“-Promo inklusive Warteschlange vorbei. Hab‘ ich außerdem schon erwähnt, dass Kosmos in diesem Jahr „10 Jahre Exit – Das Spiel“ mit einer limitierten Jubiläumsedition feiert?

Der frühe Blue-Vogel…

Außerdem bin ich bei Jean-Claude Pellin vorbei, der mir ein Kinderspiel zum Ausschneiden vorgestellt hat. Hübsche Idee! Macht den Kleinen bestimmt Spaß.

Treffen durfte ich auch Michael Spitzer, der uns seine „Dinnerparty“ zum Testen mitgegeben hat.

Wer es früh in die Hallen schafft, sieht auch mal leere Gänge. Und kann sich früh bei „Rolliverse“ anstellen und gewinnen, so wie Blue.

Xamra unterwegs

Und was bitte wäre die SPIEL 2026, wenn ich nicht wieder Meeps knuddeln würde? Es gibt aber auch Selfies von mir mit Menschen.

Bewährtes Essen in Essen

Wie immer in Essen ging’s auch wieder ums Essen in Essen. Was sagt es eigentlich über mich aus, dass ich in einer Stadt, in die ich nur einmal im Jahr komme, Stamm-Lokale hab? Jedenfalls gab’s wieder herausragende Burger im „Kohlecraftwerk“ und tolle Landesküche bei „Rice to Meet you“, dazwischen auch noch würzige Wings im Pub „Fitz-Patrick’s“.

Angekommen sind wir übrigens wieder dienstags und abends in der Bar war dann auch das erste Spiel zu verzeichnen: Mehrere Runden „Auf die Eier“ haben Blue und ich gezockt – ein ganz wunderbares kleines Spiel für unterwegs, bei dem man aber auch mal richtig viele faule Eier würfeln kann.

Am Ende ging’s nach langen Messetagen wieder nach Hause.

Rund um die SPIEL 2026

Noch ein kurzer Daten-und-Fakten-Block: Zu Beginn der Pressekonferenz vor der SPIEL 2026 hatte Rapp von Trends in der Spielebranche berichtet: „Pop-Kultur und Lizenztitel“ seien in diesem Jahr viele zu finden. Batman, K-Pop-Demon-Hunters, Cyberpunk oder Fourth-Wing – um nur einige zu nennen. Auf der anderen Seite stehen „Natur- und Cozy-Games, außerdem haben bekannte Reihen Spin-offs bekommen wie ,Mischwald’, ,Cascadia’ und ,Dorfromantik’.“ Während „Dorfromantik“ mit Sakura in Japan halt gemacht hat, geht es diesmal in die Südsee. „Mischwald“ (Interview mit Autor Kosch nach dem Sieg beim Deutschen Spielepreis 2024 gibt’s hier) verweilt derweil in die Smokey Mountains. Und Cascadia zieht es nach dem Grundspiel, der Landmarks-Erweiterung und zwei Roll&Writes (Reviews folgen) an Bergseen (Review folgt).

Bei der Pressekonferenz gab es auch wieder allerlei spannenden Daten rund um die SPIEL 2026, die erneut im Vergleich zum Vorjahr Rekorde gebrochen hat. Mehr Fläche, mehr Besucher, mehr Aussteller aus mehr Nationen, mehr Neuheiten. Oder in Zahlen ausgedrückt: 81.200 Quadratmeter (2025: 77.500 Quadratmeter), 230.000 Besucher (220.000), 997 Aussteller (948), 53 Nationen (50) und 2012 Neuheiten (1719). All das kommt aus fünf Kontinenten in Essen zusammen. Oder, wie de Cleur es formuliert: „In der Antarktis werden immer noch keine Spiele entwickelt.“ Allerdings fehlen auch Spiele aus Afrika. Die mit Abstand meisten Aussteller stammen aus Deutschland (285), gefolgt von USA (102), Frankreich (54), China (47) und Polen (42).

SPIEL 2027 von 21. bis 24. Oktober

Auf der Bühne in Halle 4 gab es wieder „SPIEL talks“ mit allerlei Wissenswertem, Neuen, Lehrreichen aus der Branche und ihrem Umfeld. 46 Beiträge standen an den vier Messetagen auf dem Programm.

Und wie immer am Ende des Messeberichts: Wer jetzt schon Lust auf mehr SPIEL hat: Die SPIEL 2027 findet von 21. bis 24. Oktober statt. Und bleibt in Essen!

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