Nein. Thematisch ist das so dermaßen nicht mein Spiel, dass ich es fast nicht in Worte fassen kann. Aber wenn ein guter Freund sagt, die Mechanik ist gut, werd‘ ich nun mal neugierig. Darum kam „Tokyo Poo Divers“ auf den Tisch. Ja. Richtig gelesen. Die Kacketaucher von Tokyo. Untertitelt mit „Ein Scheiß-Spiel mit leichtem Tiefgang“. Da ist dann auch schnell klar, wo wir uns auf der Humorebene bewegen: ganz, ganz weit unten. Trotzdem ist es ein gutes Push-your-luck-Spiel, bei dem wir – Achtung, schlechter Wortwitz – aus Scheiße Gold machen.
Die – nächster schlechter Wortwitz – anrüchigen Kacketaucher sind in der Kanalisation von Tokyo unterwegs und suchen nach Schätzen in der Jauche. Dafür haben die Spielenden ein Raster von acht mal acht Karten mit dem Gullydeckel nach oben ausgelegt. Außerdem liegen 20 einen Punkt werte braune Kackhaufen bereit und 30 goldene, die fünf Zähler bringen.
Gullydeckel aufdecken, nach Schätzen „tauchen“
Beim Spiel mit diesem Thema erspare ich es mir, mich über die durchaus auch widerliche Startspielerbedingung aufzuregen. Wer anfängt, deckt einen beliebigen Gullydeckel auf. Um im spielerischen Bild zu bleiben, taucht die Spielerin damit in die „braune Soße“ ein.

Finden kann sie drei unterschiedliche Arten von Plättchen. Ein X ist eine Niete. Die Taucherin darf sich noch geheim ein beliebiges anderes Plättchen anschauen, es kommt verdeckt wieder an den gleichen Ort. Dann endet ihr Zug mit null Punkten.
Eingepennt in der Kanalisation? O-kay…
Alle anderen umgedrehten Plättchen bleiben immer offen liegen. Ist auf der Plättchenunterseite ein „Zzz“ zu sehen, ist die Taucherin eingepennt. Ernsthaft? Während sie durch die Kacke schwimmt? Das scheint ein wenig aus dem Bild gefallen zu sein. Aber gut. Das Nickerchen bringt keine Punkte, aber sie ist nochmal dran und darf ein weiteres Plättchen umdrehen.
Geflippte Plättchen können aber auch Fundstücke zeigen und das ist, was wir wollen! Denn – um die Anleitung zu zitieren: „Jetzt winken Prämien für Peinlichkeiten.“ Wir wühlen beispielsweise benutzte Tampons oder Binden, versiffte Unterhosen oder Kondome aus dem Dreck. Nein, man kann es nicht in schönere Worte fassen, wenn man Menschen auf das vorbereiten will, was in der Pizzakartonschachtel steckt.
Angrenzende Fundstücke bringen Punkte
Jede Fundstückkarte ist Punkt wert. Auf dem ersten Fundstück landet die Figur des Tauchers. Sind angrenzend an ihn senkrecht, waagerecht, diagonal und in lückenloser Reihe weitere Fundstücke aufgedeckt, werfen auch sie je einen Zähler ab. Offen liegende Nieten, „Zzz“-Plättchen oder geschlossene Gullydeckel beenden eine Reihe.
Nach dem ersten hervorgewühlten Fundstück hat die Spielerin die Wahl: Aufhören und die bis dahin gesammelten Punkte kassieren oder weitertauchen. Im zweiten Fall dreht sie die Taucherfigur in die Richtung eines senkrecht, waagerecht oder diagonal angrenzenden Gullydeckels und deckt ihn ebenfalls auf.
Mehr Plättchen, viel mehr Punkte bei „Tokyo Poo Divers“
Ab jetzt gilt: Bei einem Fundstück kann sie erneut in der zuvor festgesetzten Blickrichtung des Tauchers einen Gullydeckel aufdecken. Erwischt sie ein X, fällt sie auf null Punkte und der nächste ist dran. Bei einem „Zzz“-Plättchen endet ihr Zug auch, sie bekommt aber die bis dahin gesammelten Zähler.

Man will gern immer weiter umdrehen, weil die so geflippten Plättchen immer einen Punkt mehr wert sind, als das Fundstück zuvor. Gleichzeitig steigt die Gefahr von X und „Zzz“, die jeweils 14 Mal im Spiel sind. Fundstücke sind es 42.
Bester Kackehaufen-Sammler gewinnt
Logischerweise wird es im Laufe des Spiels immer schwerer, lange Reihen zu bilden, weil überall schon Plättchen aufgedeckt sind. Da heißt es: Weise wählen, wo ein Spieler die Taucherfigur platziert, um mit dessen Position zu Beginn gleich viele Punkte zu bekommen, danach aber auch noch die Chance auf mehr umgedrehte Plättchen zu haben.

Das Spiel endet, wenn der letzte Gullydeckel umgedreht ist. Wer dann die meisten Punkte in Form von braunen und goldenen Kackehaufen hat, gewinnt und darf ab sofort drei Monate ohne zu duschen am Kopfende des Stammtischs der „Tokyo Poo Divers“ sitzen.
Verschiedene Aufbauvarianten
Und damit’s nicht langweilig wird, gibt’s diverse Aufbauvarianten für eine Partie „Tokyo Poo Divers“: Neben dem Quadrat sind auch der Kacke-Donut in Ringform, das Häufchen-Emoji – ja, geht mit 42 Plättchen zu legen –, ein „Herz für Kacke“, ein Kuhfladen und ein Kackkopf vorgeschlagen. Die verändern das Spiel teilweise, weil Lücken im „Bild“ auch eine Reihe unterbrechen.

„Tokyo Poo Divers“ ist vom reinen Push-your-luck ein wirklich gut gelungenes Spiel mit interessantem Dreh bei der Wertung durch die Blickrichtung des Tauchers. Trotzdem tue ich mir schwer mit dem Thema, weil ich’s einfach dermaßen ekelhaft finde. Wen das nicht stört, der sollte unbedingt zugreifen, für alle anderen findet sich bestimmt was Appetitlicheres als in Scheiße zu schwimmen. Andere Arten von Spiel, aber wie wär’s zum Beispiel mit „Port Royal“ oder „Die Quacksalber von Quedlinburg“? Die sind beide wirklich hübsch! (Reviews folgen)



















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