Was hab ich Freude an „Boss Fighter QR“, das ich der Lesbarkeit halber nur noch „Boss Fighters“ nennen möchte. Im kooperativen Kampagnenspiel prügeln sich Heldengruppe nach und nach an zehn fiesen Monstern vorbei, die unterschiedliche Taktiken und Fähigkeiten haben. All das läuft via App, die auf Tablet (besser, weil größerer Bildschirm) oder Smartphone in der Tischmitte den Spielplan ersetzt, und der Kamera des Geräts, die viele, viele QR-Codes auf nahezu allen Kartenrückseiten zu scannen bekommt. Dazu kommt ein bisschen Deck-Building, eine Priese Helden-vs-Monster-Trashtalk und jede Menge spaßigst verbrachter Zeit in der Spielegruppe. In mehreren, genauer gesagt, die „Boss Fighters“ allesamt feiern. Für mich ist das ein Anwärter auf das Spiel des Jahres 2026.
Beginnen wir doch aber mal am Anfang des Abenteuers und wie immer müssen wir uns dafür erst mal einen Helden basteln. Es gibt jeweils einmal sechs Karten pro Heldenart und pro Klasse: Troll, Halbling, Zwerg oder Elfe können Krieger, Magier, Schurke oder Druide sein. Die Wahl bestimmt das jeweilige Startdeck der Spielenden, die Druiden-Elfe hat also andere zwölf Startkarten als der Troll-Magier. Die schön illustrierten Karten sind dank simpler Symbolik jederzeit wieder zu sortieren. Will man aber nicht. Man möchte auf lange Zeit Monster-Bosse verprügeln. Wirklich!
Erst mal in der Taverne Helden platzieren
Jede Spielerin legt ihre Helden- und Klassenkarte vor sich ab. Die darauf zu sehenden, addierten Werte geben an, wie viele Lebenspunkte sie hat und wie viele Karten sie pro Zug ziehen darf. Die Lebenspunkte hält jeder für seinen Helden mit einer Zählscheibe fest.

So. Wir haben also Helden. Dann werfen wir die App an, geben unserer Gruppe einen heldenhaften Namen und schon geht’s los. Wir teilen der App unsere Position am Tisch in der Taverne mit und scannen dafür zum ersten Mal die Kartenrückseiten unserer Helden- und Klassenkarte. Held und Heldin bekommen nun ihre ebenfalls heldenhaften Namen. Im Wirtshaus hebt die Abenteuergruppe einen und schon klingt es total schlau, sich mit dem einen oder anderen Monster anzulegen.
„Boss Fighters“ gibt Monstern eine Legende
Und der Trainingskampf mit Mr. Puppet beginnt. Zunächst finden wir immer die Legende eines Bosses, in der sich Hinweise auf eine gute Strategie verbergen können, und einige oft bemerkenswerte Daten und Fakten: Größe, Gewicht oder Alter des Monsters, man will ja wissen, mit wem man es zu tun hat und sich das Vieh vorstellen können. Die Lebenspunkte passen sich an die Anzahl der Spielenden und die gewählte Schwierigkeit an.

Seht ihr die Riesenvogelscheuche mit Schwert, Morgenstern, Schild und allerlei weiterem Krimskrams vor euch? Dann ziehen wir mal Karten, sagt uns die App. Auch deren Anzahl ist durch die Kombination von Held und Klasse vorgegeben. Haken drücken, damit die App weiß, das wir fertig sind und der Kampf kann beginnen. Jetzt aber wirklich!
Karten mit Angriffen oder Effekten
Jede Runde eines Kampfes hat sieben Phasen. Zuerst plant der Boss seine Attacken, danach baut er seine Schilde auf. Dann sind endlich die Helden an der Reihe und haben nacheinander je drei Aktionen, die aber dank Gegenständen, Waffen und Zaubern durchaus in munteren Kettenzügen ausarten können.
Denn alle Karten haben Effekte. Das können die drei Angriffsarten Magie, Nah- oder Fernkampf oder deren Verstärkungen sein, die nur nützlich sind, wenn die Angriffsart zuvor schon im Spiel war. Zunächst prügeln die Helden mit ihren Angriffen die Schilde des Bosses gegen die jeweilige Angriffsart herunter, ehe er tatsächlich Schaden nimmt.
Andere heilen und schützen bei „Boss Fighters“
Unter den Effekten sind aber auch Heilung, Schaden als „Bezahlung“ für einen guten Effekt, Karten nachziehen oder der Blitz, der sofort eine weitere Aktion gewährt. Heilung und auch der Schutz, der die Rüstung der Helden aufbaut, ist oft auch auf andere Helden übertragbar.
Heißt: Wenn meine Druiden-Elfe einen Heilzauber spielt, kann sie damit nicht nur sich, sondern auch den Zwergen-Schurken heilen, wenn es nicht anders auf der Karte steht. Oder sie kann einem anderen Spieler Rüstungsschutz verpassen. Wir hätten auch noch diverse Karten mit Sternsymbol, das Spezialeffekte auf den Plan ruft. Deren Funktionen sind so variabel, dass ihr sie schön selbst herausfinden könnt.

App steuert bestens durch Karten und Effekte
Bei all dem ist die App wunderbar hilfreich, teilt mit, wann jemand anders oder nur man selbst den Effekt der gescannten Karte erhält, rechnet alles rund um die Angriffe auf den Boss aus und so weiter. Nur die Lebenspunkte nicht. Für die drehen wir am Rad.

Haben alle ihre drei hoffentlich durch Kettenzüge verstärkten Aktionen erledigt, ist Cheffchen dran, was wiederum unschön für die Heldengruppe ist. Ohne zu viel verraten zu wollen, hat jeder Boss eigene fiese Angriffseffekte, die nicht in jeder Runde eintreten müssen.

Wann kommt welcher Angriff? Aufpassen!
Man sollte also genau aufpassen, wann die Fieslinge was tun und wie oft sich das wiederholen könnte, wenn die Angriffe mal schlimmer und mal weniger übel ausfallen. In jeder Runde greift der Boss jeden Helden an, teilweise auch mit Effekten, die nach und nach in späteren Kämpfen ins Spiel kommen.

Schaffen es Helden, mit ihrem Schutz den Angriffswert des Bosses auszugleichen, passiert ihnen nichts und sie kassieren den angedrohten Effekt wie beispielsweise Gift nicht. Bleibt am Ende der Heldenaktionen aber Monsterschaden übrig, sind das abzuziehende Lebenspunkte.
Tendenziell wird’s immer schlimmer
In der folgenden Statusphase wirken dann die angesprochenen möglichen Effekte auf die Abenteurer. Auf die Abwurfphase, in der ausgespielte Karten mit Handkarten, die man loswerden will, auf dem Ablagestapel landen, folgt die Nachziehphase.

Danach geht all das wieder von vorne los, also mit der Planungs- und Schildphase des Bosses, wobei die Werte nicht identisch mit der Vorrunde sind. Tendenziell wird’s einfach immer schlimmer, vor allem wenn das Monster irgendwann auch noch sauer wird. Spätestens dann sollten die Heldinnen zusehen, dass sie es möglichst bald um die Ecke bringen.

„Boss Fighters“ mit viel freizuspielendem Material
Sobald wir Mr. Puppet gen Monster-Jenseits geschickt haben, passiert, was viele von uns bei „Dorfromantik“ – ebenfalls von Michael Palm und Lukas Zach – schon sehr mochten: Wir machen eine Schachtel in der Spielschachtel auf und freuen uns über freigespieltes Zusatzmaterial. In dem Fall ist es die bronzene Beutebox, die silberne und goldene warten auf weitere Erfolge in weiteren Kämpfen.
Die Helden bekommen neue Karten ins Deck. Hinzu kommen auch weitere Regeln pro Boss und es gibt hilfreiche Gegenstände. Welche genau sei hier nicht verraten, wo wär’ da denn der Spaß? Ab sofort können die Spielenden eine von vier Schwierigkeitsstufen für einen Kampf wählen. Klickt mal jede an, lustiger Soundeffekt!
Suchtpotenzial mit hohem Wiederspielwert
Und ja, wir haben direkt den nächsten Boss angegriffen und den nächsten und … dann war’s spät. Aber es ging weiter. „Boss Fighters“ hat Suchtpotenzial und macht in der richtigen Gruppe herausragend viel Spaß. Die Helden, die miteinander planen, wer wann was macht, die unterschiedlichen Bosse mit all ihren Herausforderungen, die Interaktion mit der App – wir lieben es.
Die Karten sind dank Übersicht in der Anleitung wieder zurücksortierbar, sodass man „Boss Fighters“ auch nochmal anfangen kann – gerne mit neuer Heldenkonstellation. Warum nicht aus der Druiden-Elfe diesmal eine Kriegerin machen? Apropos Anleitung: Die ist gut zu verstehen, erklärt alles inklusive Symbole und komplexerer Karten ausreichend und wird dabei von der App perfekt ergänzt.
Potenzial für jahrelange Begeisterung
Mit „Boss Fighters“ ist Palm und Zach ein Spiel gelungen, dass eine Fangemeinde über Jahre begeistern kann, wenn die folgenden Inhalte anspruchsvoll und gut bleiben. Die Verbindung zwischen Spiel(er)freude am Tisch mit digitaler Unterstützung ist bestens geglückt, läuft reibungslos, sobald man die richtige Scanhöhe gefunden hat.
Wir freuen uns schon auf weitere Bosse, das Spiel schreit geradezu nach Erweiterungen und Folgeboxen – oder Events wie um Weihnachten, als es den grinchähnlichen Grummelbart bis Ende Januar zu bekämpfen gab. Oder als wir gegen den Eggsecutor – ich lache immer noch über den Namen – Ostern retten mussten. Haben wir heldenhaft natürlich getan! Guckt: Beweisfoto!

Erweiterungen/Aus der Reihe
Für „Boss Fighters“ gibt es (Stand April 2026) die Promokarten „Das Mysteriöse Ei“ und „Die Phönix-Essenz“. Außerdem sind bereits die zeitlich begrenzt bekämpfbaren Zusatz-Bosse Grummelbart und Eggsecutor in der App zu finden gewesen. Wir warten sehnsüchtig auf mehr!














































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