Bei „Orapa“ suchen Spielende als Wissenschaftler mit Ultraschall und Farbvermischungen Edelsteine. Das kann man so sehen. Ich würde es eher als „Schiffe versenken“ auf Speed im Spiegellabyrinth bezeichnen. Ein grandioses Logik-Deduktionsspiel ist es allemal!

Wenden wir uns erst mal der Juwelensuche für zwei in der Basisversion zu, die Regeln für mehr als ein Duo und mit mehr Edelsteinen variieren jeweils leicht. Also: Jeder schnappt sich einen Sichtschirm und fünf der sieben Edelsteine, genauer gesagt die in Rot, Gelb, Blau und zweimal Weiß.

Steine im Raster platzieren
Jeder platziert seine Steine nach gewissen Regeln auf seinem Gitter, eingezeichnete Linien auf den Steinen erleichtern die korrekte Platzierung. Denn sie müssen genau im Raster liegen, dürfen sich nicht Kante an Kante berühren, maximal eine Ecke an einer Kante ist erlaubt.
Kante oder Ecke am Rasterrand – ja, übers Raster ragen – natürlich nicht! Auch noch wichtig: Kein Stein darf so liegen, dass er nicht von Ultraschallwellen erreichbar ist. Ultraschall, bitte was? Nein, wir sind immer noch nicht bei der Suche nach U-Booten. Wir senden die Wellen aus, um tief unten in unserer Mine nach Edelsteinen zu suchen. Jetzt gibt’s für jeden noch einen Forschungsbogen, Stift und – ja, nötig – Radiergummi und los geht die Partie.

„Orapa“: Scan oder Lösungsversuch
Wer am Zug ist, hat zwei Möglichkeiten: Scannen oder Lösungsversuch abgeben, wobei letzteres erst gegen Ende eine Option ist. Auch fürs Scannen gibt es zwei Arten: Schallwellen aussenden oder direkter Scan.
In der direkten Version fragt man den Gegner nach der Farbe eines bestimmten Feldes, also bespielsweise C5 oder J14.
Edelsteine verändern Schallwellenfarbe
Wer Schallwellen aussendet, nennt eine Zeile oder Spalte, also Buchstabe oder Zahl, von der er die Schallwellen ins Raster des Gegenspielers schickt. Und hier kommt der wunderbare Dreh von „Orapa“ zum Tragen: Die Juwelen lenken die Wellen ab.
Treffen sie auf ihrer Linie im Raster auf eine schräge Kante eines Edelsteins, geht ihr Weg nach einer 90-Grad-Kurve weiter. Treffen sie auf eine gerade Kante, werden sie in die Ausgangsrichtung zurückgeschickt. Jeder berührte Edelstein verändert die Farbe der Welle. Das Ergebnis des Farbmixes muss der Gegner genauso nennen, wie die Zeile oder Spalte, aus der die Schallwellen wieder aus dem Raster herauskommen.

Auf welche Farben trifft die Welle?
Ein Spieler sagt also, er schickt die Wellen in „G“ und der Gegner sagt, sie kommen in Grün aus Reihe 15 heraus. Grün? Jetzt fängt es an, hirnverzwirbelnd zu werden. Wir erinnern uns, wir spielen mit roten, gelben, blauen und weißen Steinen, die Ultraschallwelle an sich ist erst mal farblos. Da sind wir physikalisch noch korrekt unterwegs.

Dann wird’s… naturwissenschaftlich schwierig zu erklären. Trifft die Ultraschallwelle auf einen Edelstein, nimmt sie seine Farbe an. Trifft sie aber erst auf blau und dann auf gelb, kommt die Welle grün aus dem Raster, rot und gelb werden orange, rot und blau zu lila, rot, blau und gelb mischen sich zu schwarz. Kommt weiß in den Mix, kann hellgelb, hellblau und hellgrün oder grau herauskommen.
Komplizierte Art zu denken, prima erklärt: „Orapa“
Klingt kompliziert? Nun ja, an diese Art zu denken muss man sich erst mal gewöhnen, sie ist aber im Inneren des Sichtschirms bestens dargestellt und außerdem in der Anleitung prima erklärt. Darum hier eine Erklärung in Bildern:
Ziel von „Orapa“ ist es, die Positionen aller Edelsteine im Raster des Gegners zu finden. Wer glaubt, alles richtig auf dem Forschungsbogen eingezeichnet zu haben, zeigt dem Gegner seine Lösung. Stimmt sie? Gewonnen! Wenn nicht: Leider verloren.
Ab drei Spielern mit Spielleiter
Sitzen mehr als zwei Spieler am Tisch, ist einer der Spielleiter, der die Steine platziert.
Alle anderen mimen die konkurrierenden Wissenschaftler, von denen jeder als erstes alle Edelsteine finden will. Sie fragen reihum, jeder darf alle Fragen und Antworten hören.

Diamant oder schwarzes Juwel: Höhere Schwierigkeit
Wem all das noch nicht grübelig genug ist, der kann den durchsichtigen Edelstein dazu nehmen. Der transparente Diamant reflektiert die Ultraschallwelle wie üblich, ändert dabei aber die Farbe nicht. Sie bleibt, wie sie zuvor war, kommt also rot oder hellgrün oder wie auch immer auf der anderen Seite des Diamanten heraus.
Noch schwieriger wird es mit dem schwarzen Stein, der Ultraschallwellen nicht reflektiert. Stattdessen ist die Antwort: „Die Welle wurde absorbiert“, ist also im schwarzen Loch verschwunden.

Physikalisch schwierig, trotzdem großer Spaß
Ich bin physikalisch nicht sonderlich bewandert, aber mich irritiert die Sache mit den farbigen Ultraschallwellen dann doch ein wenig. Denn die Wellen, ganz ohne Farbeffekt, sollen laut Internetrecherche eher nützlich sein, um gefundene Steine zu reinigen. Aber gut. Vielleicht hätten es doch Lichtstrahlen sein sollen, die von den Edelsteinen reflektiert werden?
Egal! Es könnten auch Laserprojektile zum interstellaren Meteoritenversenken sein: „Orapa“ macht richtig viel Spaß, wenn man auf solche Knobel-Tüftel-Logik-Spiele steht. Das Material ist simpel, aber hübsch. Da geht doch direkt noch eine Runde!
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Noch ein bisschen mehr Logik-Deduktion fällig? Dann schaut euch mal „Save Patient Zero“ an!





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