„Obsession“ hat mich im Grundspiel schon sehr beschäftigt. Die große „Obsession – Upstairs, Downstairs“-Erweiterung verstärkt das noch. Denn sie bringt richtig gute Neuerungen ins Spiel, die „Obsession“ schlicht und ergreifend noch besser machen, aber sicher nicht einfacher. Die „Wessex“- Erweiterung verändert nicht so viel. Es gibt als weitere Ergänzung noch kleinere Promos, die Ausbauplättchen Adelige hinzufügen. In Summe sind es gute Zusätze für ein tolles Spiel, das ich hier ausführlich vorgestellt habe.
Schnell erklärt ist die kleinere der Erweiterungen: Sie bringt mit der Familie Wessex ein fünftes Adelshaus ins Spiel. Sie steht als weitere Familie zur Wahl, die mit einem zusätzlichen Ausbauplättchen startet und „Obsession“ zu fünft spielbar macht. Die „Wessex“-Erweiterung ist zudem auch im Solospiel nutzbar.
Und dann wären da noch die ebenfalls schnell erledigten, kleineren Promos, die neue Adlige und neue Ausbauplättchen in eine Party „Obsesssion“ bringen. Und die legendäre „Duchess Lilo“, die sich eigentlich am besten selbst erklärt.
Familie Nummer sechs bei „Obsession – Upstairs, Downstairs“
„Upstairs, Downstairs“ bringt mit den Howards eine sechste Familie ins Spiel, ebenfalls im Solomodus nutzbar. Damit lässt sich „Obsession“ auch zu sechst spielen – ab sofort zu viert oder sechst auch in Teams, eine neue spannende Variante.

Genau wie der Vorschlag mit „Tableau Obsession“: keine Werbungsrunden, spezielle Rundenübersicht, das Spiel endet sofort, wenn eine Familie das maximale Ansehen erreicht hat. Das ist aber eher was für die ganz fortgeschrittenen „Obsession“-Spieler.
Verbesserte Karten, neue Meilensteine
Für alle dagegen ist die neue Alderleyhall sowie die neuen Interessen- und Zielkarten, die für bessere Handhabbarkeit in der Größe angepasst wurden.
Außerdem können die Spielenden noch Meilensteinkarten einfügen, die sie während einer Partie erreichen und mit ihrem Wappen markieren. Und es gibt neue Zielkarten, die auch die neuen Spielelemente von „Obsession – Upstairs, Downstairs“ berücksichtigen.
Neues Personal im Einsatz für den Adel
Die wichtigste Neuerung von „Upstairs, Downstairs“ ist der sogenannte Zusatzdienst. Wir erinnern uns: Im Grundspiel müssen wir die passenden Bediensteten einsetzen, um eine Aktivität auszuführen und Gäste einladen zu können.

Die Erweiterung bringt den optionalen Einsatz unterstützender Bediensteter in eine Erweiterugspartie „Obsession – Upstairs, Downstairs“. Sie verbessern Gefälligkeiten oder ändern die Spielmechanik. Wer einen dieser zusätzlichen Angestellten auf ein Plättchen oder eine Karte stellt, aktiviert dessen Fähigkeiten. Das ändert aber nichts am notwendigen Einsatz der ursprünglich geforderten Bediensteten, den ich hier nicht nochmal erklären möchte. Mehr dazu in der Review vom Grundspiel.
Anstellen statt passen
Genauer gesagt sind die „Neuen“ eine Köchin, ein Laufbursche, ein oberes Hausmädchen und ein Hausmeister. Grundsätzliche Regel: Jede Familie kann nur jeweils einen Vertreter der verschiedenen neuen Bedienstetenarten einstellen. Zwei Köchinnen und zwei Hausmeister – das würde möglicherweise Stress auf dem Anwesen geben. Das will man ja nicht…

Heißt auch: Eine Familie erwirbt bis zu vier neue Bedienstete. Und da das in „Obsession“ mit dem Einsatz des Butlers im Butlerzimmer als Aktivität einen kompletten Zug „verschwendet“ hat, kommt „Upstairs, Downstairs“ mit einer essenziellen Regeländerung, die das Spiel wirklich besser macht: Wenn ein Spieler passt, darf er ab sofort eben auch Bedienstete anstellen.
Regel im Grundspiel übernehmen
Das macht das Passen weniger nervig, dafür ziehen schneller neue Bedienstete in den Haushalt, die wiederum für alle möglichen Dinge eingesetzt werden können. Das kam nicht nur in den Testrunden gut an, sondern kann auch ohne die Erweiterung im Grundspiel so gespielt werden.
Gute Idee! Laut Anleitung könnte man immer noch normal Bedienstete über das Butlerzimmer engagieren. Aber sie stellt – wie wir uns auch – gleich die Frage, warum man das wohl tun sollte.
Angesehene Köchin
Je nach Anzahl der Spielenden sind unterschiedlich viele zusätzliche Bedienstete im Spiel. Zu Beginn darf sich jede Familie schon einen der Neulinge aussuchen. Aber was bringen uns denn nun die Neulinge? Die Köchin kann bei einer aktuellen Aktivität zum Einsatz kommen. Dadurch erhöht sie das Ansehen der Familie um eins, was am Ende der Runde gezählt wird.
Wegen ihres guten Rufs als tolle Köchin erlaubt sie es außerdem, dass die Familie Gäste mit Ansehenswerten einlädt, die eine oder zwei Stufen über dem der Familie sind. Heißt: Liegt das Ansehen gerade bei vier, folgen nur dank der grandiosen Köchin Gäste, die eigentlich fünf oder sechs fordern, der Einladung.
Laufbursche und Hausmädchen
Für den Laufburschen gibt es drei Anwendungsmöglichkeiten. Auf einer Adelskarte, die Geld bringt, fügt er 100 Pfund Gewinn hinzu. Außerdem kann der Laufbursche für den Lakai im Kutschenhaus einspringen. Oder für den Butler, wenn er der obligatorische Bedienstete auf einer Adelskarte ist.
Das oberste Hausmädchen hat zwei Funktionen. Entweder sorgt sie bei zu ziehenden Gästen für Auswahl. Oder sie springt für die Hauswirtschafterin als obligatorische Bedienstete auf einer Adelskarte ein. Besitzt die Spielerin auch das Hauswirtschaftszimmer, kann das oberste Hausmädchen auch als Ersatz für die Haushälterin auf Plättchen oder für die Zofe einspringen. In dem Fall entfällt aber die Auswahl bei den Gästen.
Vielseitiger Hausmeister
Der Hausmeister ist am vielseitigsten mit gleich fünf Fähigkeiten. Er kann die Einnahmen beim Dorffest, das auf dem Rundenanzeiger zu finden ist, erhöhen. Andererseits kann er auch die Kosten eines beliebigen Plättchens am Markt um 100 Pfund reduzieren. Oder er kann den nötigen Ansehenswert eines eigenen Ausbauplättchens um eins reduzieren. Heißt: Die Familie kann eine Aktivität ausrichten, obwohl ihr Ansehen eigentlich zu niedrig ist.
Dann wären da noch zwei Verwendungen, nach denen der Hausmeister aus dem Spiel kommt: Um den Plättchenmarkt einmal komplett zu erneuern. Oder um im Plättchenbeutel, aus dem der Nachschub für den Markt gezogen wird, nach einem ganz bestimmten Plättchen zu suchen. Monumente sind davon ausgenommen. Das Plättchen landet auf dem Platz für 800 Pfund, die bisherige Auslage rutscht insgesamt je ein Feld nach links, das Plättchen, das vom vordersten Platz geschoben wird, kommt zurück in den Beutel.
Mehr Ausbau, mehr Adlige
„Upstairs, Downstairs“ bringt noch diverse neue Plättchen zur Anwesen-Verschönerung, neue Adlige, neue Soloherausforderungen und Spielhilfen mit. Die Erweiterung kommt – wie das Grundspiel – wieder mit viel Flufftext daher, der die neuen Bediensteten bestens einführt.
Wer versteht nicht, dass die Köchin für Ansehen sorgt, wenn sie Gespickte Austern oder Taubenragout kredenzt? Zugegeben: Ihre flambierten Lammöhrchen und Schafsrumpf und -nieren an Reis wären eher nicht meins, aber ich lebe ja auch nicht im viktorianischen Großbritannien.
Sinnvolle Erweiterung
Sowohl die neuen Angestellten als auch die neue Passen-Regelung machen „Obsession“ noch variabler, noch strategischer, noch tiefer. Wer sich mit ein paar Runden im Basisspiel fit für das Ausprobieren der großen Erweiterung gemacht hat, wird sie nicht mehr missen wollen.
Ich bin nicht unbedingt dafür, große Spiele mit Erweiterungen aufzuplustern. Aber „Upstairs, Downstairs“ ist an so vielen Stellen sinnvoll, dass für Fans von „Obsession“ kein Weg dran vorbei führen dürfte.































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