In die afrikanische Kavango-Region uns diesmal unser Einsatz als Experten für Naturschutz am Spieltisch. In „Kavango“ von Matt Brown und Zara Reid ist es unsere Aufgabe einzigartige Ökosysteme aufzubauen, Forschungsaufträge zu erfüllen und Geld zu verdienen, das wir wiederum in bedrohte Tierarten, Klima- und Naturschutz investieren. Klingt gar nicht so einfach? Ist es auch nicht.

  • Autor: Matt Brown & Zara Reid
  • Illustration: Matt Brown
  • Spielerzahl: eins bis vier
  • Alter: ab zehn Jahren
  • Dauer: 45 bis 60 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: wer zuletzt ein Tier gestreichelt hat
  • Verlag: Schmidt Spiele

Die Naturschutzarbeit beginnt für jeden Spieler mit einem leeren Tableau und zwei Tieren in der eigenen Auffangstation. Außerdem hat jeder einen Spezialisten mit eigener Fähigkeit, einige Marker und vor allem einen Stapel Handkarten.

Dieser Stapel muss je nach Runde und Anzahl der Spieler anders aufgebaut werden, was ein bisschen umständlich, aber sinnvoll ist für die steigenden Ansprüche in jeder Runde.

„Kavango“: drei Runden, zehn Züge

Apropos: Deren gibt es genau drei mit exakt zehn Zügen. Das ist gar nicht so viel, wenn man ein Reservat mit Tieren füllen will. Alle Naturschützer sind gleichzeitig dran und wählen eine Karte aus ihrem Stapel, die sie verdeckt vor sich ablegen. Alle drehen ihre Karte um.

Ist es eine Aktionskarte wie Forschung, Wiederaufforstung, Umsiedlung, Klimaschutz- oder Tierschutzfonds führt der Spieler den jeweiligen Soforteffekt auf – allesamt hilfreich. Mal gibt’s Geld, mal Forschungsaufgaben, die man später erfüllen kann, oder man bekommt eine wertvolle Renaturierungskarte oder kann gegen Bezahlung eine Karte vom Ablagestapel nehmen und sofort spielen.

Wildniskarte platzieren

Ist es eine Wildniskarte, darf der Spieler sie entweder in seinem Reservat platzieren oder in seine Auffangstation legen, dort haben aber maximal drei Tiere Platz.

Die Karte stattdessen abwerfen bringt einen Geldmarker, übrigens eine schlappe Million Dollar wert.

Oben und unten in der Nahrungskette

Es gibt zwei unterschiedliche Wildniskarten: Produzenten und Tiere. Produzenten sind die Grundlage des Ökosystems, man könnte auch sagen: Futter.

Produzenten landen am oberen Rand unter dem Spielertableau und zeigen an, welches Futter man für die Tiere in seinem Reservat zur Verfügung hat. Denn wenn deren Hunger nicht gestillt werden kann, ziehen sie auch nicht ein.

Entscheidend bei „Kavango“: das richtige Futter

Es gibt Gräser, Bäume, Fische und wirbellose Tiere wie Insekten. Bei den Letztgenannten gibt es noch zwei Sonderfälle: Termiten und Bienen. Manche Tiere verlangen genau danach, für andere Tiere zählen sie aber weiterhin zu den Wirbellosen.

Ein Blatthühnchen will beispielsweise Fisch und Insekten, der Strauß drei Insekten und einmal Gräser. Der Buschbock dagegen sucht drei Bäume.

Mit Geld für Tierschutz bezahlen

Am Ende eines Spielzugs passieren noch zwei Dinge, die teilweise ebenfalls die Ansiedlung von Tieren beeinflussen können: Die Spieler können Forschungsaufgaben erfüllen und Geld investieren.

Denn Tiere haben nicht nur Hunger. Sie brauchen Schutz, der mit Geldwürfeln bezahlt wird. Auf dem eigenen Tableau stehen Habitat- und Wildtierschutz zur Wahl. Man kann auch in den Klimaschutz auf dem Spielplan in der Tischmitte investieren.

Forschungsaufgaben werden anspruchsvoller

Auf diesem Plan liegen pro Runde vier Forschungsaufgaben aus. Sie stellen im Lauf der Partie immer anspruchsvollere Anforderungen an Karten im eigenen Reservat. Beispielsweise geht es um die Anzahl von Tier- oder Futterarten, Größe oder Gewicht von Tieren, die bei jeder Art dabeistehen. Je besser ein Spieler eine Aufgabe erfüllt, desto mehr Geld und Punkte bekommt er.

Geld kann man auch für Renaturierungskarten ausgeben, die Produzentensymbole bringen, die im eigenen Reservat noch fehlen. Das ist wichtig, weil diese Symbole nur in den ersten beiden Runden zu bekommen sind, in Runde drei gibt es nur noch Aktions- und Tierkarten. Und gar nicht selten fehlen noch einige Futtersymbole, um richtig punkteträchtige Tiere anzusiedeln.

Umweltschutzpreise in Schlusswertung

Zurück zum Spielzug. Haben alle ihre Karte abgehandelt, gibt jeder seinen verbleibenden Stapel nach links weiter und der nächste Zug beginnt.

So füllen sich nach und nach die Reservate, wobei alle dort angesiedelten Tiere ebenfalls als Futter für größere Tiere zählen. Die Futtersymbole verbrauchen sich nicht, man muss nur für jedes Tier einzeln gesehen genug haben.

Elf Typen von Tieren in „Kavango“

Nach drei Runden mit je zehn ausgespielten Karten endet eine Partie „Kavango“ mit einer Schlusswertung. Jedes Tier bringt Punkte. Außerdem gibt es drei Umweltschutzpreise zu gewinnen.

Im Spiel gibt es elf Typen von Tieren. Zu den Produzenten kommen kleine, mittlere und große Säugetiere, Raubtiere, Vögel, Raubvögel und Reptilien/Amphibien dazu. Wer alle elf im Reservat hat, gewinnt zehn Punkte, weitere fünf kommen für ein zweites vollständiges Set dazu beim Preis für Biodiversität.

Toll illustriertes Spiel mit vielen Möglichkeiten

Je zehn Zähler bringen Klimaschutz- und Naturschutzpreis, wenn man genug in Klima-, Habitat- und Wildtierschutz investiert hat, was gar nicht so einfach ist. Denn wie im realen Leben ist nie genug Geld für den Schutz der Umwelt da.

„Kavango“ ist ein toll illustriertes Set-Collection-Spiel mit Hidden Drafting und vielen Aktionsmöglichkeiten. Die zehn Spezialisten sind durch ihre Fähigkeiten ganz unterschiedlich komplex spielbar. Es gibt Sonderregeln fürs Spiel zu zweit, außerdem optionale Regeln mit Zielkarten und wechselnder Draftrichtung.

Prima für erfahrene Spieler

Falls man mal alleine ein Reservat bevölkern möchte: Ein Solo-Modus steckt auch noch in der Box. Am Ende der Anleitung sind noch einige Begriffe erklärt, die im Spiel zu finden sind.

All das macht „Kavango“ zu einem Naturschutz-Spiel mit Anspruch, das Wenig-Spieler heraus- bis überfordern kann. Erfahrenere Spieler haben mit dem Tableau-Aufbau und Futter sammeln fürs nächste große Tier, den Investitionsmöglichkeiten und Spezialfähigkeiten aber sicher ihre Freude. Und mal ehrlich: Kann man genug Aufmerksamkeit auf den Naturschutz lenken? Eben. Spielen wir noch eine Runde „Kavango“ und tun wir danach was für unsere Natur da draußen!

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