Frosted Blooms: Mut zur Lücke in den Tulpen

Was ein wunderschönes Spiel! „Frosted Blooms“ hat mich direkt erwischt. Erstens mag ich Plättchenpuzzle, zweitens das Material, drittens das Artwork und viertens die Spielfreude, die mir das Ganze bringt. Ausgesprochen gut gelungen ist das alles!

  • Autor: Bruno Cathala & Ludovic Maublanc
  • Illustration: Simon-Pierre Bernard
  • Spielerzahl: eins bis vier
  • Alter: ab acht Jahren
  • Dauer: 20 bis 40 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: wer zuletzt Blumen gekauft hat
  • Verlag: Elznir Games

Auf Blumenfeldern streben die ersten Tulpen dem Frühling entgegen, aber noch haben sie es mit Morgenfrost zu tun. Das führt dazu, dass die so schön illustrierten Polyomino-Plättchen mit glitzernden Verzierungen aufwarten.

Tolle Holzfiguren bei „Frosted Blooms“

In der Tischmitte liegt der Hauptspielplan, darauf je nach Anzahl der Personen am Tisch unterschiedlich viele Zielplättchen, zu denen wir später kommen, und die Wertungssteine der Spieler auf der Zählleiste. Die 44 doppelseitigen Landschaftsplättchen landen im Stoffbeutel. Fünf davon ziehen die Spielenden und legen sie um den Spielplan herum. An der sechsten freien Stelle liegt der Blumenmarker.

Münzen, Arbeiter, Scheunen und Windmühlen warten ebenfalls auf ihren Einsatz. Jede Spielerin mischt ihre Landschaftskarten und bekommt ein Startplättchen, je nach Anzahl der Spieler Münzen und eine Spielhilfe, um im Blick zu behalten, was am Ende wie viele Punkte bringt.

Ein Polyomino pro Runde

Vorbereitung beendet. Lasst uns Tulpen pflanzen! Das tun wir über zehn Runden. In jeder Runde wählt nacheinander jede Spielerin je ein Polyomino, legt es ans eigene Startplättchen und spielt danach eine Landschaftskarte, die per Sofortwertung Punkte bringt. Danach muss sie, wenn möglich, eine Verbesserung platzieren und, wenn sie will, ein Ziel beanspruchen.

Und das Ganze jetzt nochmal ein bisschen ausführlicher: Für ein neues Plättchen, zieht der aktive Spieler den Blumenmarker zu dem Plättchen seiner Wahl. Aber nur das Plättchen im Uhrzeigersinn direkt neben dem Blumenmarker ist kostenlos. Neben jedes übersprungene Plättchen bis zum Ausgewählten muss der Spieler eine Münze legen.

Wasser und drei Tulpenfarben

Wer später eines dieser Plättchen nimmt, erhält auch das daneben liegende Geld und kann es dann wiederum nutzen, um im nächsten Zug selbst wieder Plättchen zu überspringen.

Wo der Blumenmarker stand, landet ein neues Plättchen aus dem Beutel. Danach erweitert der Spieler seine Auslage mit dem gerade gewählten Plättchen. Sie bestehen alle immer aus zwei verbundenen Wasserfeldern und je einem Feld mit lilafarbenen, roten oder weißen Blumenfeldern, die ein bis drei Blüten zeigen.

Lücken ausdrücklich erwünscht!

Der Spieler darf das Plättchen drehen und spiegeln, die Landschaftsfelder müssen nicht an farblich passende Felder angelegt werden – sollten aber. Denn mehr aneinander angrenzende Blüten oder Wasserfelder bringen mehr Punkte und bessere Zielplättchen. Beim Anlegen gibt es wenige Regeln: Das Plättchen muss im Raster und an einem anderen Teil orthogonal angrenzend liegen, Ecke an Ecke ist nicht angrenzend.

Hier kommt außerdem ein Faktor ins Spiel, der Plättchenpuzzle-Freaks kurzzeitig an den Rand des Wahnsinns bringt: Lücken sind ausdrücklich erlaubt und gewünscht. Bitte was? Aber wir wollen doch immer schön lückenlos puzzeln! Nicht bei „Frosted Blooms“!

Platz für Arbeiter, Scheune und Windmühle

Denn in Lücken darf die Tulpenzüchterin Verbesserungen setzen. Ein einzelnes freies Feld beherbergt einen Arbeiter, zwei Felder nebeneinander eine Scheune und ein Quadrat aus zwei mal zwei Feldern sogar eine Windmühle. Die sind jeweils bei Spielende drei, zehn und 25 Punkte wert, Arbeiter bringen außerdem direkt bei ihrem Einsatz eine Münze mit.

Hat eine Lücke drei Felder oder vier, die nicht quadratisch sind, landen ein Arbeiter und eine Scheune oder zwei Scheunen darin. Größer als vier Felder darf eine Lücke nicht sein.

Am Ende des Zugs Landschaftskarte werten

Fehlt uns noch die Wertung nach jedem Zug. Ist das Plättchen platziert, wählt die Spielerin eine ihrer drei gezogenen Landschaftskarten. Die Karten bringen entweder zwei Punkte für alle Blumen einer Farbe oder Wasserfelder. Oder je einen Punkt für zwei unterschiedliche Blumen oder eine Blume und Wasserfelder.

Dabei zählen immer die entsprechenden Felder auf dem gerade gelegten Plättchen plus alle passenden Felder, die orthogonal damit verbunden sind. Lege ich also eine siebte rote Tulpe an ein Gebiet in meiner Auslage mit sechs roten Tulpen, bringt das je nach Wertungskarte sieben oder 14 Punkte, wobei bei den sieben Punkten noch weitere vom zweiten Teil der Karte dazukommen.

Auslage der anderen im Blick behalten

Hat ein Spieler am Ende seines Zuges ein Zielplättchen erfüllt, darf er es an sich nehmen. Sie sind je nach Schwierigkeit drei, zehn oder 25 Punkte wert. Man kann entscheiden, ob man beispielsweise das Plättchen für acht rote Tulpen (zehn Punkte) nehmen will oder doch auf zehn Tulpen (25 Punkte) wartet.

Dabei muss man unbedingt die Auslage der anderen Spieler beachten. Denn wenn jemand sicher im nächsten Zug die 25 Punkte einheimst, ist es sinnvoll, sich jetzt mit den zehn Punkten zu begnügen, bevor die auch noch weg sind. Das kann auch ein Vorteil für den Startspieler sein, der zuerst die 25 Punkte bringenden zehn Wasserfelder beisammen hat – einfach, weil er zuerst dran war.

Punkteträchtige Windmühlen bei „Frosted Blooms“

Nach sieben Runden ist Schluss mit nachziehen und die Spielenden müssen mit den Landschaftskarten auskommen, die sie noch auf der Hand haben. Wer nach zehn Runden die meisten Punkte hat, gewinnt.

Man kann versuchen, nur auf zusammenhängende Gebiete für die Wertung zu setzen und mit wenig Lücken zu spielen. Aber oft sind die Lücken doch die punkteträchtigere Variante, weil gerade die 25 Zähler für Windmühlen wirklich stark sind. Wenn das noch mit Zielplättchen belohnt wird, ist das super. Dann will es aber auch jeder haben! Also doch auf andere Punktebringer setzen?

Passend bauen oder Lücken lassen?

Genau das macht den Reiz von „Frosted Blooms“ aus. Es sind diese ständige Entscheidungen zwischen passend bauen, um die guten Zielplättchen und Landschafstkarten zu erfüllen, und Lücken lassen, um Erweiterungen zu bekommen, die auch richtig fett punkten.

Ja, man braucht ein bisschen Glück mit den Landschaftskarten. Denn wenn die gezogenen so gar nicht zu den gelegten Plättchen passen, da aber auch mangels Geld keine Wahl war, kann man schnell ins Hintertreffen gelangen. Klappt dann aber im nächsten Zug die Windmühl-Lücke, sieht’s gleich schon wieder besser aus.

Wunderbares Wohlfühlspiel

„Frosted Blooms“ ist ein wunderbares Plättchen-Lücken-Tulpen-Puzzle und damit ein absolutes Wohlfühlspiel, in das Einsteiger schnell reinkommen, das aber auch erfahrene Spieler abholt und bestens unterhält.

Hinzu kommt tolles Material und ein Solomodus, bei dem man den Meistergärtner herausfordert. Ob das mal gut geht? Findet es raus. „Frosted Blooms“ bleibt im Regal, will wieder und wieder auf den Tisch kommen.

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