Der Geheimnisvolle Brunnen: Tolle Optik, tolle Mechanik

Nachwuchsmagier, hübsch mit Kutte und Zauberhut ausgestattet, haben Wichtiges vor sich: die Große Wasserwichtel-Prüfung, bei der sie ihren Scharfsinn beweisen sollen. Ein entscheidendes Utensil für die Prüfung? „Der Geheimnisvolle Brunnen“, in und um den herum die Wasserwichtel ihren Schabernack treiben. Das gleichnamige Kinderspiel kommt mit bemerkenswertem Aufbau daher – einem dreidimensionalen Brunnen mit „Wasseroberfläche“ und steigendem „Wasserspiegel“. Bitte was? Von vorne. Bei der SPIEL 2025 haben Blue und ich Guido Hoffmann, den Autor des Spiels getroffen und er hat uns so einiges auch über die Entstehung von „Der Geheimnisvolle Brunnen“ erzählt.

  • Autor: Guido Hoffmann
  • Illustration: Rolf Vogt
  • Spielerzahl: zwei bis vier
  • Alter: ab fünf Jahren
  • Dauer: 25 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: wer zuletzt in einen Brunnen geschaut hat
  • Verlag: Drei Magier by Schmidt Spiele

Seit mehr als 30 Jahren entwickelt Hoffmann Spiele: „Ich habe mich schnell auf Kinderspiele spezialisiert, genauer gesagt auf Erlebnisspiele.“ Was er damit meint? Das Spiel soll zugleich „Spielzeugcharakter“ haben, wie er sagt. „Ich bin froh, wenn die Kinder das Spiel nicht zusammenpacken, sondern aufgebaut im Kinderzimmer stehen lassen“, erklärt er.

Frühe Berührung mit Spieleentwicklung

Kinderzimmer ist ein gutes Stichwort für Hoffmann, ist ihm die Spieleentwicklung doch quasi in selbiges gebracht worden. Denn sein Vater ist Rudi Hoffmann, dessen „Café International“ 1989 zum Spiel des Jahres gekürt wurde. „Schon als Kind habe ich immer Spiele testen müssen“, erzählt Guido Hoffmann.

Heute hat auch er seine Anlaufstellen, um seine neuen Entwicklungen von den kritischsten Testspielern überhaupt ausprobieren zu lassen, unter anderem ein Kindergarten in Wien. „Kinder testen Spiele ganz anders als Erwachsene. Es muss viel mehr über Intuition gehen. Und von Kindern bekommt man auch schnell eine sehr ehrliche Antwort“, hat Hoffmann festgestellt.

Dreidimensionaler Aufbau bei „Der Geheimnisvolle Brunnen“

Gut angekommen bei den kleinen Testern ist offenbar auch „Der Geheimnisvolle Brunnen“, den ein großer dreidimensionaler Aufbau ausmacht. „Ein Brunnen ist etwas Archetypisches. Wer von uns hat als Kind nicht gern in einen Brunnen geschaut und überlegt: Was ist da unten? Wie lange dauert es, bis der Stein unten angekommen ist? Und macht es dann platsch?“, fragte scih Hoffmann. Das hat ihn umgetrieben, wie er selbst sagt.

In einem früheren Entwicklungsstadium hatte der Brunnen noch eine Drehkurbel und eine Schnur, das ließ sich in der realen Produktion aber nicht umsetzen. Er lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Drei Magier, „auch redaktionell“, bei der sich die Redaktion auf die Suche nach dem besten Material für die abdeckende Folie des Brunnens gemacht hat.

Frösche hüpfen auf Teich umher

Nun freut Hoffmann sich, dass der Brunnen so schön dasteht und prima funktioniert. Denn: „Das ist ein Spiel, das scheitert, wenn etwas klemmt.“ Zum Spielzeug im Kinderzimmer taugt „Der Geheimnisvolle Brunnen“ also definitiv. Aber wie ist er als Spiel?

Jedes Kind bekommt ein Tableau mit Minimagier und dazu farblich passend zwei Frösche, die gleich auf Geheiß der Zauberschüler auf dem Teich rumhüpfen. Außerdem liegen Wichtelscheiben und je zehn Gewinnkarten von eins bis vier bereit.

Tolle, verborgene Mechanik in „Der Geheimnisvolle Brunnen“

Dann wär da natürlich noch „Der Geheimnisvolle Brunnen“ selbst, ein stabiles Karton-Bauwerk mit einem ganz besonderen Mechanismus. Denn in der Schachtel versteckt sich der magische Strudel, eine Zahnradkonstruktion. Der Strudel befindet sich vor dem Brunnen, dessen Seite mit einem Tor geöffnet werden kann.

Im Brunnen ist ein sternförmiger Teller auf einem Gewindestab befestigt. Was kompliziert klingt, lernen Kinder schnell zusammenzubauen, wenn man es ihnen in Ruhe zeigt.

Zweifarbige Wasserwichtel

Herzstück des Spiels ist das, was der Strudel im Brunnen auslöst. Dazu muss aber erst mal ein Wasserwichtel in den Brunnen.

Es gibt 38 Scheiben, die immer je zwei der kleinen Wesen zeigen. Sie sind zweifarbig – türkis, weiß, blau oder pink – und haben unterschiedliche Beine und Frisuren. Eine dieser Wichtelscheiben landet verdeckt auf der Innenseite des Tors, dann klappt ein Kind es zu und die Wichtelscheibe liegt aufgedeckt, aber unsichtbar für die Kinder im flugs verriegelten Brunnen. Kann sich wer nicht vorstellen? Bitte schön: Video!

Die Wichtel landen erst verdeckt auf der Brunnentür. Die wird geschlossen und die Wichtel liegen aufgedeckt im Brunnen. Video: Xamra

Welche Wichtel sind im Brunnen?

Die Nachwuchsmagier dürfen nun ihre beiden Frösche nacheinander zu beliebigen Wasserwichteln im Teich setzen. Herausfinden wollen sie, welche zwei Wichtel im Teich genauso aussehen wie die Wichtel im Brunnen.

Reihum passiert nun Folgendes: Ein Kind dreht den magischen Strudel einmal komplett im Kreis. Danach schauen alle nacheinander in den Brunnen und versuchen zu erkennen, um welche Geistchen es sich handeln könnte. Je öfter sich der Strudel dreht, desto höher steigt das Wasser im Brunnen und bringt das kleinen Geisterduo zum Vorschein. Heißt: Das Gewinde schiebt den Sternteller mitsamt Wichtelscheibe nach oben, also immer näher an die Folie, mit der der Brunnen verschlossen ist und die für ein schummeriges Bild sorgt.

Bei „Der Geheimnisvolle Brunnen“ drehen Kinder den Mechanismus auf dem Spielplan und bringen so die Wasserwichtel an die Oberfläche. Video: Xamra

Frösche huckepack mitnehmen

Wer in den Brunnen geschaut hat, darf danach einen seiner Frösche versetzen. Es dürfen Frösche unterschiedlicher Farbe beim gleichen Wichtel sitzen, dann werden sie gestapelt.

Will ein Kind seinen Frosch, der unten im Stapel liegt, bewegen, nimmt es die anderen Frösche huckepack einfach mit. Frösche müssen nicht hüpfen, wer glaubt, seine sind schon an der richtigen Stelle, lässt sie sitzen.

Wertung mit Punktekarten

Sind alle Kinder sicher, dass sie an der richtigen Stelle sind, dreht man den Strudel so lange, bis die zwei Wichtel im Brunnen an der Oberfläche angekommen sind.

Es folgt die Wertung. Je nach Position eines Froschs im Stapel, gibt es eine entsprechende Wertungskarte, die unterschiedlich viele Punkte bringen. Wer als erstes den richtigen Wichtel gefunden hat, bekommt vier Punkte, der nächste einen weniger und so weiter.

Längste Punktereihe gewinnt „Der Geheimnisvolle Brunnen“

Nach drei Runden Wichtelsuchen, legen alle ihre Punkte in eine Reihe, wer die längste Reihe hat gewinnt ein wirklich schönes Spiel mit tollem Material und aufwendigem 3D-Bauwerk mit visuellem Sondereffekt dank der den Brunnen abdeckenden Folie. Die Wichtel sind putzige kleine Wesen, selbst die Außenseite der Schachtel ist passend gestaltet.

„Der Geheimnisvolle Brunnen“ braucht im Aufbau am Anfang ein bisschen Hilfe, danach ist es aber ein kurioses Kinderspiel, bei dem die Kleinen ihren Spaß haben. Und den Brunnen hoffentlich, ganz nach Guido Hoffmanns Wunsch, auch gern zum Spielen verwenden. Er ist wirklich hübsch!

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