Träumt noch wer außer mir davon, den Winter – ich hasse Winter, schreibt sie, nachdem sie gerade gedanklich den verschneiten, gefrorenen Bürgersteig freigeschaufelt hat – einfach zu verschlafen und im Frühjahr so zehn bis 15 Kilo leichter aufzuwachen? Bei „Survival of the Fattest“ können wir zumindest possierlichen Tierchen dabei helfen, sich auf eben jenen Winterschlaf vorzubereiten und zwar mit möglichst viel Futter. Dafür plündern wir bei einem im Grundspiel recht einfach Mix aus Deck-Building, Auktion, Zutaten sammeln und Memory den Wald für Vorräte.

  • Autor/Illustration: Lee Smitz
  • Spielerzahl: eins bis vier
  • Alter: ab acht Jahren
  • Dauer: 60 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: keine
  • Verlag: Dirty Rascal Games

In jenem Forst gibt es verschiedene Plätze für Karten. Im gemischten Stapel sind Zutaten wie Karotte, Beere oder Eichel, außerdem Wildes Obst, also Joker, und – fies – Fallen. Für den Aufbau verteilen die Spieler diese Karten verdeckt auf den Plätzen von Pincrest Ridge, Greenvale und Pebblebrook. Der Rest kommt zum Handelsplatz, wo vier Karten aufgedeckt werden. Auch Rezeptkarten landen in einem gemischten, verdeckten Stapel auf dem Spielplan, genauer gesagt auf am Markt, daneben vier offene Rezepte.

Jedes Tier mit eigenem Kartendeck

Werfen wir einen Blick aufs Spielertableau. Dort ist Platz für erledigte Rezepte, das eigene Versteck zur Vorratshaltung von Futter, eine Tierkarte und das passende Tierdeck und der Ablagestapel. Zu Beginn hat jeder ein Rezept, das oben unterm Tableau steckt, unterm Tableau ist Platz, um fertiggestellte Bonusrezepte zu sammeln.

Jeder Waldbewohner spielt mit einem eigenen Deck mit speziellen Fähigkeiten und drei Trick-Karten, falls die entsprechende Mini-Erweiterung im Spiel ist, sind es vier. Rascal, der schlaue Fuchs kann beispielsweise aus den Fallen einen Vorteil und Punkte gewinnen. Das Häschen-Duo Huni & Bunz kann ausnutzen, dass es aus zwei Langohren besteht. Sie können an zwei Plätzen gleichzeitig Futter hamstern, dazu gleich mehr.

Drei Jahreszeiten bei „Survival of the Fattest“

Der Ablauf von „Survival of the Fattest“ klingt naturnah: Drei Jahreszeiten haben die spielenden Tiere Zeit, um sich auf den Winter vorzubereiten und dafür Nahrung zu sammeln. Jede Jahreszeit hat vier Runden und jede Runde vier Phasen.

Phase eins: die Zugreihenfolge. Alle Spielerinnen ziehen fünf Karten von ihrem Tierdeck und zeigt ihre Hamstern-Karte mit dem höchsten Zahlwert. Wer die höchste hat, beginnt eine Runde. Bei Gleichstand geht es um die zweithöchste Zahl und so weiter. Lässt sich damit der Gleichstand nicht auflösen, gewinnt das größere Tier. Der dickste Brocken ist Bär Ol’ Grizzy, danach folgen Hirsch Bucky, Fuchs Rascal, Otter Lottie, das Hasen-Duuu, Eichhörnchen Oakley und Vogel Flit, vermutlich ein Blauhäher. Die Karten werden nicht abgeworfen.

Drei Aktionen für Ol’Grizzy und seine Kumpels

Der Startspieler bekommt den bunten Sternmarker und darf loslegen. Er hat drei Aktionen: Beim Recyceln legt er zwei oder mehr Karten auf den eigenen Ablagestapel und zieht eine weniger nach. Wer will, darf Trick-Karten spielen, deren Effekte nacheinander abgehandelt werden. Ol’ Grizzy kann beispielsweise eine Zutat vom Handelsplatz in sein Versteck legen oder andere Spieler dazu zwingen, böse Fallen in ihren Vorrat zu packen.

Ziemlich oft besuchen die Tiere aber einen Ort im Wald. Es gibt sechs Möglichkeiten. Am Markt kann der Fuchs sich entweder eine aufgedeckte Rezeptkarte reservieren und am oberen Rand unter sein Tableau schieben. Diese reservierten Rezepte kann er am Ende einer Jahreszeit erfüllen. Oder aber er „kocht“ direkt eines der ausliegenden Rezepte und legt es unter seinem Tableau ab. Fürs sofort Erfüllen gibt es auch noch den Markt-Bonus, beispielsweise eine weitere Handkarte, einen Extrazug, eine Karte vom Handelsposten nehmen und so weiter.

Unterschiedliche Züge an verschiedenen Orten

Gehen wir doch direkt dorthin: Am Handelsposten kann meine eine Handkarte mit einer Karte aus der Auslage tauschen oder eine aus der Auslage nehmen und verdeckt auf den eigenen Ablagestapel legen.

In Greenvale zieht der Bär zwei Handkarten nach. In Pinecrest Ridge darf das Eichhörnchen eine Futter- oder Fallenkarte aus der Hand verdeckt in seinem Versteck ablegen. In Pepplebrook deckt der Hirsch die obersten drei Karten auf und sortiert sie in beliebiger Reihenfolge wieder zurück oben auf den Stapel. Wobei natürlich alle Tiere an jeden Ort können, das waren nur Beispiele.

Futter im Versteck verstecken – und merken!

Besucht ein Tier sein Versteck, darf es beliebig viele Futter- und Fallenkarten aus der Hand dort verdeckt ablegen. Das ist wichtig für die spätere Wertung und hier kommt Memory ins Spiel. Denn die Karten im Versteck darf ein Spieler sich vor Ende der Jahreszeit nicht nochmal ansehen. Er sollte sich also merken, was er schon im Versteck hat.

Haben alle Tiere den Ort, den sie besuchen, abgehandelt, kommt die Hamstern-Phase, die nur Pebblebrook, Pinecrest Ridge und Greenvale betrifft. Die Waldbewohner wollen jetzt Futter sammeln und Fallen vermeiden.

Wetteifern um die besten Zutatenkaren bei „Survival of the Fattest“

Überall, wo mehrere Tiere am gleichen Ort sind, wetteifern sie jetzt ums beste Fressen. In Zugreihenfolge spielt jeder beliebig viele Hamstern-Karten offen aus. Wer die meisten spielt, ist zuerst dran, wobei wie schon zuvor die Tiergröße der endgültige Tie-Breaker ist.

Danach deckt der Sieger so viele Karten auf, wie insgesamt Hamstern-Karten geboten waren. Er beginnt dann auch mit dem Draften, nach und nach wählen die Spieler reihum so viele Karten aus, wie sie Hamstern-Karten geboten haben. Sind Fallen unter den ausliegenden Karten gehen sie immer zuerst an den Spieler, der am wenigsten Karten geboten hat.

Störende Fallenkarten auf der Hand

Haben die Spieler die Futter- und Fallenkarten verteilt, legt jedes Tier seine Beute verdeckt auf den Ablagestapel. Das Hamstern dieser Runde ist beendet! Danach rutscht der Rundenmarker eins nach rechts. Ist er noch in der gleichen Jahreszeit, können die Spielenden Handkarten ablegen, wobei das nicht für Fallen gilt, die bleiben auf der Hand und stören.

Danach ziehen sie wieder auf das Limit nach, das Karteneffekten erhöhen können und die nächste Runde beginnt wieder mit der Frage, wer der neue Startspieler mit der höchsten Tierkarte ist.

Neue Jahreszeit, aufgefülltes Deck

Nach der vierten Runde springt der Marker in die nächste Jahreszeit. Als erstes baut sich dann jedes Tier aus Handkarten, Tierdeck und Ablagestapel sein neues Deck, in dem jetzt die gehamsterten Zutaten und Fallen drinstecken.

Danach schauen alle die Zutaten in ihren Verstecken durch. Mit denen kann man jetzt entweder das eigene Tier füttern und damit eine Sonderfähigkeit aktivieren oder reservierte Rezepte erfüllen. Die verkochten oder verfütterten Zutaten kommen zurück auf den Stapel am Handelsposten, ungenutzte Zutaten bleiben im eigenen Versteck – wieder schön merken, was da noch liegt!

Schlusswertung folgt auf den Herbst

Danach mischt ein Spieler alle Karten auf dem Spielplan und verteilt sie neu bis auf die Rezeptkarten am Markt, die bleiben, wo sie sind. Schon kann die neue Runde beginnen.

Ist mit dem Herbst auch die dritte Jahreszeit vorbei, kommt es zur Schlusswertung. Handkarten und eigenes Deck kommen auf den Ablagestapel – alles, was nicht im Versteck liegt, hilft nix mehr bei der Winterschlaf-Vorbereitung.

Unbedingt vorm Winter eigenes Tier füttern!

Jeder schaut den Vorrat im Versteck nochmal durch und erfüllt Rezepte oder füttert sein Tier. Das ist nicht ganz unwichtig, denn nicht gefütterte Tiere fliegen direkt mal aus dem Spiel – nicht fit oder fett genug für den Winter!

Danach punkten noch erfüllte Rezepte, Fallen im Vorrat bringen Minuspunkte. Wer jetzt die meisten Zähler hat, gewinnt und ist bestens gerüstet für den Winter.

Tolles Material bei „Survivial of the Fattest“

„Survival of the Fattest“ kommt in der Deluxe-Variante mit tollem Material und vor allem wirklich schönen Minis daher, die demnächst noch Farbe bekommen sollen. Die Anleitung ist verständlich und inzwischen auch auf Deutsch online zu finden, wobei sich da einige Übersetzungsfehler eingeschlichen haben.

Die asymmetrischen Tierdecks sorgen für hohen Wiederspielreiz, weil man gerne noch einen anderen Waldbewohner ausprobieren möchte. All das macht „Survival of the Fattest“ zu einem unterhaltsamen, anspruchsvollen Spiel für erfahrenere Spieler. Das angegebene Mindestalter von acht Jahren scheint da ein wenig niedrig angesetzt, das dürfte nur für Kinder von Vielvielvielspielern gelten.

Im Duo zu viel Platz auf dem Spielplan

Allerdings mit kleinem Manko: Im Spiel zu zweit kann man sich auf dem Spielplan zu gut aus dem Weg gehen, da kommt es selten zum Bietkampf beim Hamstern, das ist schade, ist es doch auch das Draften der zu verteilenden Zutaten ein schöner Teil des Spiels. Hier wäre vielleicht eine Lösung mit Zusatzregeln für zwei hilfreich gewesen.

Der Solomodus hat die: Wer will, kann sich in drei Schwierigkeiten mit Maus Demort, Habicht Harriet oder Wolf Alfie auf der Jagd nach dem besten Vorrat messen.

Drei Mini-Erweiterungen in der Box

Neben der Mini-Erweiterung „Extra Tricky“ mit einer weiteren Trick-Karte für jedes Tier sind auch noch die Erweiterungen „Fast-Food“ und „Etwas Ereignisreiches“ in der Schachtel. „Fast Food“ sind Karten mit Sondereffekten, man kann nur eine pro Jahreszeit sammeln, verliert dabei auch noch jeweils eine Hamstern-Karte. Das will wohlüberlegt sein!

Für „Etwas Ereignisreiches“ landet beim Start jeder Jahreszeit in jedem Stapel auf dem Spielplan außer dem Marktplatz und dem Handelsposten eine Ereigniskarte, die sofort abgehandelt wird, wenn jemand sie aufdeckt. So, und jetzt entschuldigt mich. Ich habe irgendwie das dringende Bedürfnis, in meinen Vorratsschrank zu schauen. Nur mal sicherheitshalber…

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