Groundhopper: Ein Muss für Fußballfans

Es gibt Spiele, die muss man einfach haben. Brettspieler, für die auch Fußball oder andere Mannschaftssportarten mehr sind als Zeitverschwendung, kommen daher früher oder später um „Groundhopper“ nicht rum. Ein Spiel, das viele gute Eigenschaften in sich vereint und einen an Plätze auf der Erde führt, die einem wohl sonst für immer verborgen geblieben wären.

  • Autor: Andreas Jenk
  • Illustration: Matijos Gebreselassie
  • Spielerzahl: zwei bis sechs
  • Alter: ab zehn Jahren
  • Dauer: bis zu 90 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: Wer zuletzt bei einem Fußballspiel war; wer zuletzt eine Flugreise unternommen hat; wer zuletzt die Stadionwurst bezahlt hat; wer schon die meisten Stadien besucht hat.
  • Verlag: Phinside Games

Zugegeben: Wer die Schachtel von „Groundhopper“ zum ersten Mal in die Hand nimmt, der muss feste zupacken. Man bekommt viel Spiel für sein Geld: ausklappbare Weltkarte (Spielplan), Stadionkarten, Sehenswürdigkeitenkarten, Fortbewegungs- und Aktionskarten, Stadiontickets, Flugtickets, Reisepassstempel, Markierungsflaggen, Wettbüro, Reisepässe, Spielfiguren, Stadionmarker, Würfel – da schleppt man schon etwas mit sich herum nach dem Kauf. Wenn man dann noch liest, dass die Dauer mit 45 bis 90 Minuten angegeben ist, stellt man sich zwangsweise unweigerlich die Frage, ob man sich das geben soll.

„Groundhopper“ – aufregende Weltreise

Die Antwort ist einfach: ja, unbedingt. Die Macher versprechen in der Einleitung „eine aufregende Weltreise der besonderen Art“ und übertreiben damit nicht. Groundhopper, damit bezeichnet man Menschen, die um die Welt fahren oder fliegen und Sportstadien besuchen. Es geht dabei nicht in erster Linie darum, eine der beiden Mannschaften zu unterstützen, sondern einmal in dem Stadion gewesen zu sein. Seinen Ursprung hat Groundhopping als Leidenschaft von Fußballfans. Aber auch in anderen Sportarten wie Eishockey oder Basketball gibt es das mittlerweile.

Damit ist die Spielidee von „Groundhopper“ auch schon beschrieben. Man muss möglichst viele Stadien und/oder Sehenswürdigkeiten auf der Welt besuchen. Wer zuerst 100 Punkte erreicht hat, hat gewonnen. Dabei machen beim Aufbau schon die Figuren große Lust. Als Stadionmarker bekommt man ein klitzekleines Holzstadion, das man auf der Punkteleiste bewegt. Als Spielfigur gibt es einen stilisierten Fan, der einen Schal über den Kopf hält. Dazu liegen noch jede Menge Karten für Stadion, Sehenswürdigkeiten, Bus, Auto oder Bahn.

Bewegen, fliegen oder Karten ziehen

Zu Beginn des Zugs hat man die Wahl aus drei Aktionen: Fortbewegungskarte nutzen, Flugstrecke nutzen oder zwei Fortbewegungskarten ziehen. Mit den Fortbewegungskarten geht es über Land. Eine Landverbindung darf man nicht zweimal in einem Zug nutzen. Wer auf einem Flughafenfeld steht, darf auch fliegen, braucht dafür allerdings das nötige Ticket. Manche Felder des Spielplans bringen Tickets für Flug oder Stadionbesuch.

Legt ein Spieler bei der Hatz um den Erdball lieber mal ein Päuschen ein und zieht zwei Fortbewegungskarten, kann er übrigens auch eine Aktionskarte ziehen. Deren Anweisung ist zum einen sofort zu befolgen und kann zum anderen auch Auswirkungen auf die anderen Spieler haben. Etwa, wenn alle Spieler, die gerade in Asien stehen, aufgrund eines Virus nach Europa beordert werden. Das kann der Kontrahent aber mal so gar nicht brauchen, wenn er kurz davor ist, die Reisfelder in Indonesien zu besuchen und zehn Punkte dafür zu bekommen.

Nur mit Ticket ins Stadion bei „Groundhopper“

Wer auf einem eigenen Zielort landet, also ein Ort, von dem man eine Stadion- oder Sehenswürdigkeitenkarte hat, erhält sofort die auf der Karte angegebenen Punkte. Bei Stadionkarten muss man allerdings noch zwei Tickets abgeben. Was logisch ist, man will ja schließlich ins Stadion und das nicht alleine.

Explizit genannt werden die Stadien nicht, aber selbstverständlich erkennt man das Big House, das über 100.000 Zuschauer fassende Stadion der University of Michigan in Ann Arbor (USA), das Maracana in Rio de Janeiro (Brasilien), das Olympiastadion in Berlin oder das Estadio Santiago Bernabéu in Madrid. Es sind aber auch einige Exoten dabei. Und die Macher demonstrieren, dass Fußball über das Groundhopping völkerverbindend sein und Grenzen überwinden kann: Stadien in Moskau und sogar Nordkorea können auf dem Reiseplan stehen.

Würfelrisiko im Wettbüro

Auf das Feld legt der besuchende Fan eine Markierungsflagge. Das ist von Bedeutung, wenn ein anderer Spieler das Feld überquert. Dann bekommt derjenige, dem die Flagge gehört, zusätzliche Punkte.

Apropos Punkte: Die bekommt man auch, wenn man zwischendurch das richtige Gespür im Wettbüro hat. Wer auf einem der entsprechenden Felder landet, darf sein Glück versuchen. Der Einsatz: zwei Flugtickets. Dann wird gewürfelt. Das Risiko: Die beiden Flugtickets können weg sein.

Taktikspiel für ganze Familie: „Groundhopper“

Eine weitere Gelegenheit, an Punkte zu kommen, bietet der Reisepass. Kommt ein Fußballfan auf ein Stempelfeld und füllt so seinen Pass, darf er sich über zahlreiche Zusatzpunkte freuen.

Ja, das klingt nach viel Spiel und komplexem Regelwerk. „Groundhopper“ hat sich aber als Taktikspiel für die ganze Familie herausgestellt. Die Spieler sind sehr schnell im Spielrhythmus, und alle, die schon einmal in einem Fußballstadion waren oder sich gefreut haben, dass sie ein Stadion in einem anderen Land oder gar Kontinent besucht haben, sind sowieso gleich gefesselt.

Großer Tisch für viel Material

Für den riesigen Spielplan braucht es allerdings einen großen Tisch. Da macht der eine oder andere auf der Suche nach der besten Reiseroute zum nächsten Stadion oder zur nächsten Sehenswürdigkeit auch gerne ein paar Extrameter. Das Material ist hochwertig, die Regeln einfacher, als erwartet.

So entsteht ein flottes Spiel, bei dem jeder seine eigene Taktik verfolgt. Sätze wie „da war ich schon mal“ oder „da will ich mal hin“ sind eher die Regel, denn die Ausnahme. Da vergehen fast zwei Stunden (bei sechs Spielern) fast wie im Flug.

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