Gnomenparlament: Gesetze, Ehre, Lobbyarbeit

Politik kann mitunter ein hässliches Geschäft sein. Warum sollte das bei den Gnomen anders sein als bei uns Menschen? Der Unterschied: Im „Gnomenparlament“ von Channing Jones geht es wesentlich lustiger zu. Aber auch am Spieltisch geht es um Lobbyarbeit und Gesetze. Und am Ende um Ehrenpunkte.

  • Autor: Channing Jones
  • Illustration: Dennis Lohausen
  • Spielerzahl: vier bis acht
  • Alter: ab zehn Jahren
  • Dauer: 60 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: wer zuletzt ein Parlamentsgebäude gesehen hat oder wer zuletzt eine Parlamentsdebatte verfolgt hat
  • Verlag: Fobs Games (Instagram-Account)

Normalerweise steht bei Spielen auf der Packung „zwei bis vier“. „zwei bis fünf“ oder manchmal auch „drei bis sechs“. Gemeint ist damit jeweils die Anzahl der Spieler, für die das jeweilige Spiel entwickelt worden ist. Bei „Gnomenparlament“ im Vertrieb des Westpfälzer Fobs-Verlag fällt aber sofort auf, dass man mehr Personal benötigt: „Vier bis acht“ ist da aufgedruckt. Das ist mal eine Ansage. Also ist klar: „Gnomenparlament“ ist etwas für eine größere Runde. Die muss man erstmal zusammenbringen. Vorab kann man sagen: Die Testrunde mit sechs Spielern hatte gefühlt die richtige Größe.

Präsident bringt im „Gnomenparlament“ Gesetze zur Abstimmung

Jeder Spieler ist ein Mitglied des Gnomenparlaments. Man schlüpft wahlweise in die Rolle von Jenitina, Dabadrik, Ambriana, Warug, Fizzk, Pitulo, Gladioma oder Voren. Jeder hat seine eigene Interessen und will am Ende den Sieg davontragen. Ein Spieler, der vorher festgelegt wird, ist der Präsident des Parlaments. Er muss, solange er dieses Amt innehat, in jeder Runde ein Gesetz zur Abstimmung bringen. Und damit fängt das Drama an. Denn das Gesetz nützt vielleicht nicht jedem.

Kreativ waren Channing Jones und die Übersetzer bei der Benamung der Gesetze auf jeden Fall. So findet man zum Beispiel ein „Gesetz zur gutnachbarlichen Agendateilung“, ein „Gesetz zur Umverteilung des Einflusses“, ein „Gesetz zur Selbstlosigkeit des Präsidenten“ oder gar ein „Gesetz zur Vermeidung unnötiger Gesetze“.

Zustimmen oder nicht?

Jeder Spieler in der Runde muss sich entscheiden, ob er der eingebrachten Gesetzesvorlage zustimmt oder nicht. Da wird ganz schön taktiert. Es gibt Gesetze, die gelten nur einmal und kommen dann auf den Ablagestapel. Das könnte einem helfen. Und dann gibt es Gesetze, die dauerhaft Gültigkeit besitzen. Aber will man das? Und noch viel wichtiger: Was wollen die anderen am Tisch?

Das ist der Moment, in dem die schönsten Diskussionen losgetreten werden. „Das finde ich ja super!“ „Boah, ne, das geht ja gar nicht.“ „Stimmst Du da etwa dafür?“ Man könnte die Liste der geläufigen Sätze, die in der Testrunde gefallen sind, noch beliebig lange fortschreiben. Geschicktes Bluffen gehört da auch dazu. Und mit entsprechenden Lobbystimmen kann man das Schicksal und die Punktevergabe am Ende zu seinen Gunsten beeinflussen.

Wichtige Lobbystimmen

Apropos Lobbystimmen: Diese sind selbstverständlich auch im „Gnomenparlament“ von entscheidender Bedeutung. Sie sind zusätzliche Stimmen, wenn es um die Auswertung geht, ob ein Gesetz angenommen wurde oder nicht. Lobbystimmen kann man zweimal in einer Runde einsetzen – offen und verdeckt. Bei der offenen Variante werden die kleinen weißen Holzklötze auf das eigene Gnomentableau gelegt. Dazu wird die Abstimmscheibe auf das Tableau gelegt.

Das ist der Zeitpunkt, zu dem noch geheime Lobbystimmen ins Spiel kommen. Diese darf jeder verdeckt vor den anderen in der Faust in die Mitte halten. Da weiß man selbstverständlich schon, in welche Richtung es bei den anderen am Tisch geht und kann entsprechend taktieren.

Bei Ablehnung tritt Präsident zurück

Dann geht nichts mehr. Das Abstimmungsergebnis wird ausgewertet. Gibt es mehr Ja- als Nein-Stimmen, ist das Gesetz angenommen und tritt sofort inkraft. Bei weniger Ja- als Nein-Stimmen oder Stimmengleichheit gilt das Gesetz als abgelehnt. In diesem Fall ist es obligatorisch, dass der Präsident von seinem Amt zurücktritt und es an den nächsten Gnom links von ihm weitergibt.

Ein Präsident kann aber auch freiwillig von seinem Amt zurücktreten. Etwa, wenn er sich dadurch keinen Vorteil mehr verspricht. Das führt im Laufe der Partie dazu, dass auch Spieler mal das höchste Amt am Tisch innehaben und Gesetze auswählen müssen, die das vielleicht gar nicht wollten. Aber, wie im richtigen Leben, wenn sie erstmal an der Macht sind, zeigt sich, dass sie an dieser ganz schön hängen.

„Gnomenparlament“ mit Zweckbündnissen und Debatten

So gibt es etliche Parallelen zur echten Politik – Zweckbündnisse, lange Diskussionen und so weiter. Die Gesetze selbst sind allerdings eher als Persiflage auf die echte Politik zu sehen. Wobei in manchen Ländern ein „Gesetz zur Ehrung der Ja-Abstimmer und des Präsidenten“ gar nicht so unwahrscheinlich ist.

Spätestens nach zwei Runden/Gesetzesvorlagen ist man im Spielrhythmus drin. Es wird diskutiert, lamentiert, ein bisschen spielerisch gestritten und hemmungslos Werbung für das zur Abstimmung stehende Gesetz gemacht. Das alleine macht „Gnomenparlament“ zu einem sehr kommunikativen Spiel. Es sprengt allerdings auch bisweilen den Zeitrahmen. Was gar nicht schlimm ist. In der richtigen Zusammensetzung der Spielerunde sind die 45 Minuten nicht zu halten. Langweilig oder gar langatmig wird es aber nicht.

Schönes Spiel für größere Runden

Im Gegenteil. „Gnomenparlament“ ist sehr schönes Spiel für größere Runden mit einem feinen Humor bei den Gesetzestexten. Ein bisschen Erfahrung mit Biet-, Taktik- und Bluffspielen sollte man aber mitbringen. Wem das Einsteigerspiel zu einfach ist, der kann sich auch an einer Version für Fortgeschrittene versuchen. Dort kommen als zusätzliche Optionen noch Dekrete, Agenden und Fraktionen ins Spiel. Und beim Thema Dekrete kommt man unweigerlich wieder auf die aktuelle politische Lage zu sprechen.

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