Homefarming: Ein Herz für Pflanzen und Hühner

„Homefarming – das Spiel“, von Michael Kallauch nach einer Idee der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, ist ein gelungenes Familienspiel mit komplexerer Variante und viel Wissen in der Schachtel. All das kommt aber optisch nicht ganz überzeugend daher, was dem Spiel nicht gerecht wird.

  • Autor: Judith Rakers & Michael Kallauch
  • Illustration: Michael Kienle, Sandra & Oliver Freudenreich
  • Spielerzahl: zwei bis vier
  • Alter: ab acht Jahren
  • Dauer: 45 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: keine
  • Verlag: Kosmos

Der Spielplan von „Homefarming“ zeigt einen Pfad mit Symbolen der sich durch Monatsfelder schlängelt. Wir starten im März mit dem Ziel, in drei Gartenjahren unsere Beete mit Obst und Gemüse zu bepflanzen und die Früchte unserer Arbeit zu ernten. Nebenbei können wir uns auch noch um eine kleine Hühnerhaltung kümmern. Dafür hat jeder Hobbygärtner 13 Holzmarker seiner Farbe, außerdem zum Start vier Handkarten.

Wann säen und wann ernten bei „Homefarming“?

Auf den Karten ist das Obst oder Gemüse mit Namen, Foto und Punktezahl zu sehen. Eine Leiste am linken Kartenrand zeigt in grün, in welchen Monaten das Grünzeug gesät wird. Auf der rechten Seite stehen in Orange die Erntemonate. Und Kosmos wäre nicht Kosmos, wenn auf der Rückseite nicht noch weitere Infos zum jeweiligen Obst oder Gemüse zu finden wäre.

Schon kann’s losgehen. Ein Holzmarker jedes Spielers landet auf der Punkteleiste, die den Spielplan umschließt. Die anderen zwölf wollen jeweils sehr gut überlegt eingesetzt werden. Denn wir können nicht in der Zeit zurückreisen.

Voranschreitende Zeit ist Krux des Spiels

Das heißt, wenn ich meinen Marker auf das vorletzte Aprilfeld lege, weil ich unbedingt noch im April säen will und das einzige andere Säenfeld schon belegt ist, ist danach jedes Feld, das auf dem Pfad davor liegt, nicht mehr nutzbar. Und hier liegt die Krux des Spiels.

Denn auf den Feldern sind fünf verschiedene Symbole zu sehen. Mit dem grauen Einkaufswagen kauft eine Spielerin Saatgut, beim grünen Keimling wird eine Karte aus der Hand ausgesät. Das orangefarbene Feld mit Karotte und Beete erlaubt es, zu ernten. Gelb lässt Hühner in den eigenen Stall einziehen. Das Herzchen bedeutet, man „kümmert“ sich um etwas – entweder Pflanzen oder Hühner.

Mit Herz um Pflanzen und Hühner kümmern

Pflanzenkarten können nur in den richtigen Monaten auf dem eigenen Beet ausgesät werden, gleiches gilt für die Ernte. Dazwischen wollen wir uns aber auch noch mit Hühnern beschäftigen. Und müssen die ein bisschen sperrig „Kümmermarker“ genannten Herzplättchen einsetzen oder brauchen auch immer wieder neues Saatgut, also aus der Auslage genommene neue Handkarten.

Da ist plötzlich der ganze schöne Plan zerlegt, weil ein Mitspieler seinen Marker auf das Feld gelegt hat, das man selbst besetzen wollte.

Plagen bei „Homefarming“

Und jetzt? Presche ich in der Zeitlinie weit nach vorne, um mir dann eben im nächsten, gerade noch passenden Monat das zweimal Säen-Feld zu sichern? Oder ändere ich doch den Plan und bewege mich eher langsam vorwärts? Oder setze ich meinen Marker gar auf ein Plagefeld.

Das sorgt dafür, dass eine Plagekarte umgedreht wird, die nichts als Ärger verursachen, was bei Schädlingen, Dürre, Wühlmaus, Nacktschnecke, Habicht und Fuchs unter Gärtnern und Hühnerhaltern kaum verwundert.

Spezialregel für Obst

Vor diesen Wohin-mit-dem-Marker-Entscheidungen stehen die Heimfarmerinnen ständig. Und das hat durchaus seinen Reiz, der von der Spezialregel für Obst noch verkompliziert wird. Denn es bringt erst im zweiten Jahr nach dem Säen Ertrag, wird dafür aber nicht – wie die Gemüsekarten – vom Beet entfernt.

Das heißt, wer im ersten Jahr Obst anbaut, kann im dritten Jahr ein zweites Mal ernten. Nicht einfacher wird es auch dadurch, dass Hühner immer nur paarweise und mit Herzplättchen versehen Punkte bringen.

Schlusswertung nach drei Gratenjahren

Dabei hat man kaum Zeit, sich um sie zu kümmern, weil die Markerknappheit doch eher zum Säen und Ernten verleitet. Denn nur pünktlich abgeerntete Pflanzen bringen am Ende Siegpunkte, auch ein wenig sperrig Lecker-Punkte genannt.

Manche Pflanzenkarten haben außerdem noch ein Feld, auf das ein Herzplättchen gelegt werden kann. Dann bringen sie Bonuszähler auf dem Weg zum erfolgreichsten Hobbygärtner. Der wird nach drei Gartenjahren, also nach drei Durchgängen auf dem Pfad von März bis Dezember, anhand der meisten Punkte bestimmt.

Gewächshäuser für Fortgeschrittene

In der Fortgeschrittenen-Version, für die der Spielplan auf die Rückseite gedreht wird, auf dem auch das Bauen-Symbol zu finden ist, kommen noch einige Mechanismen hinzu. Für manche Pflanzen müssen erst mal Gewächshäuser errichtet werden.

Außerdem können sich die Nachwuchsfarmer mit „Bauwerken“, also weiteren Karten, gegen Plagen schützen: Wassertonne, Hühnergehege, Gemüseschutznetz, Schneckenzaun oder Wühlmausgitter. Einmal gebaut, bleiben die Karten in allen drei Jahren erhalten.

Mit Fruchtfolge wird’s kompliziert

Dritter zusätzlicher Dreh: Fruchtfolge und -wechsel sind zu beachten. Heißt: Auf einem abgeernteten Feld muss eine andere botanische Familie und ein anderer Zehrgrad angepflanzt werden. Die botanischen Familien sind auf den Pflanzenkarten zu finden.

Es gibt 13 verschiedene von Hülsenfrüchte über Nachtschattengewächse bis Süßgräser. Zudem sind die Pflanzen jeweils als schwach-, mittel- oder starkzehrend gekennzeichnet. Es ist ziemlich viel, was „Homefarming“ in der Version von den Spielern fordert. Das ist dann nichts mehr für Gelegenheitsspieler. Und übrigens teils farblich auch wirklich schlecht zu unterscheiden.

Judith Rakers‘ Marke „Homefarming“

Moderatorin und Autorin Judith Rakers hat sich mit „Homefarming“ eine eigene Marke aufgebaut. Es gibt Saatgut, einen Blog und Podcast, Rezepte, ein Buch und ein Kochbuch zum Thema. In Zusammenarbeit mit dem Kosmos-Verlag wurde die Marke noch erweitert: Das Kinderbuch „Judiths kleine Farm. Kater Jack sucht einen Freund“ trifft auf den Experimentierkasten „Meine erste Farm“, der mit dem Deutschen Spielepreis in der Kategorie „Alles fürs Kinderherz“ ausgezeichnet wurde.

Und nun auch noch „Homefarming – das Spiel“. Es ist konsequent, der Marke optisch treu zu bleiben. Das tut dem Spiel aber keinen Gefallen, es wirkt blass und irgendwie aus der modernen Brettspielzeit gerutscht.

Gutes und lehrreiches Spiel mit optischen Schwächen

Das hat „Homefarming“ nicht verdient. Es spielt sich flüssig, auch wenn ab und an ein wenig Grübeln ob der richtigen Taktik und des zu wählenden Felds für die eigenen Marker nötig ist. Die Variante für Fortgeschritten bringt zusätzliche Komplexität und noch mehr Information ins Spiel. Es ist ein gutes und zugleich lehrreiches Spiel rund um den eigenen Garten mit allerlei Obst und Gemüse.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert