Es gibt diese Spiele, auf die habe ich einfach immer Lust – solo oder mit mehreren: „Blumengarten“ ist eines dieser Spiele, die immer passen. Klein, nicht zu lang, aber dennoch mit genug Fleisch auf den Rippen, um nicht banal zu sein. Und noch dazu ist es einfach sehr hübsch auf dem Tisch. Wir schaffen hier genau das, was der Name des Spiels uns vorgibt: einen Garten voller bunter Blumen, verschiedener Insekten, Dekorationen mit ein paar kleinen Kieselsteinen – und einer Teetasse.

Man kann es nicht anders sagen: „Blumengarten“ ist einfach sehr, sehr hübsch. Schon beim Spielaufbau, der zügig von statten geht, genießen wir den Anblick von farbigen Astern, Chrysanthemen oder Lilien, teils bewohnt von kleinen Marienkäfern oder besucht von eifrigen Hummeln. Auch bunte Blumensträuße oder formschöne Gartenskulpturen tauchen auf.
Schwelgen schon beim Spielaufbau
Wir erstellen ein Raster aus fünf Spalten und mehreren Reihen von Karten – wie viele variiert je nach Anzahl der Mitspielenden. Unter jede Spalte legen wir eine kleinere Aufgabenkarte. Drei zufällig gezogene Zielkarten geben vor, für welche Kombinationen aus Blumen und Insekten es in dieser Partie Extra-Punkte gibt.
Alle am Tisch bekommen drei Blütenmarker und einen schicken Holz-Pöppel in ihrer gewählten Farbe. Wer die Partie beginnt, positioniert seine Figur links an der obersten Reihe der Blumen-Auslage, der Rest folgt im Uhrzeigersinn und platziert sich jeweils eine Reihe darunter.
Nun kann das fröhliche Blumen-Sammeln beginnen.

Cleverer Reihenfolge-Mechanismus
Wer ist denn grade dran? Das ist eine Frage, die in vielen Spielen mit „der oder die nächste im Uhrzeigersinn“ beantwortet und innerhalb einer Partie gerne mal kurzzeitig vergessen wird. Nicht bei „Blumengarten“ – hier ist immer dran, wessen Pöppel grade am weitesten oben steht. Zur Auswahl stehen die Karten der nächsten Reihe – das sind mehrere Blumenkarten, und die kleine Aufgabenkarte ganz unten.
Und hier kommt direkt eine der wichtigsten Entscheidungen ins blumige Spiel: die Aufgabenkarte, die mich am Ende mit Siegpunkten belohnt und dabei zum Beispiel unterschiedliche Insekten, gleiche Blumenfarben oder verschiedene Blumenarten verlangt, würde mir eigentlich gut passen.
Überraschung mit verdeckten Blumenkarten
Aber wenn ich sie nehme, steht meine Figur ganz unten, und ich bin in der nächsten Runde als Letzte dran. Kann ich das riskieren? Die Aster da oben in der übernächsten Spalte hat einen Schmetterling, und den bräuchte ich doch auch ganz dringend, um eins der Ziele zu erfüllen! So klein diese Entscheidung klingt, so wichtig ist sie im Spiel, und sie sorgt immer wieder für knifflige Überlegungen.
Dazu kommt, dass in zwei Spalten auch verdeckte Blumenkarten liegen – da weiß ich erst, was ich bekomme, wenn ich mich für sie entschieden habe. Das kann ein Treffer sein – oder eben auch nicht. Im Gegenzug stehe ich für die nächste Runde aber wieder an oberster Stelle und habe die erste Wahl.
Steine in den Weg gelegt bei „Blumengarten“
Ein paar Karten werden schon beim Spielaufbau mit kleinen Papp-Steinen verziert. Wer die dazu gehörige Karte nimmt, bekommt den Stein. Am Ende des Spiels bringen Steine Zähler – und die Person, die die meisten Steine sammeln konnte, erhält für zwei Extra-Punkte noch die Teetassen-Karte. Auch dies fließt also in meine Überlegungen zur Kartenwahl mit ein.
Ist eine Runde zu Ende, sind also alle Spielfiguren einmal durch das Raster gelaufen und alle haben gleich viele Karten genommen, wird das Raster aufgefüllt und die wilde Jagd startet erneut – dieses Mal von rechts nach links und wir starten in der Reihenfolge, in der wir die erste Runde beendet haben. Vorher wird noch geprüft, wer die Zielvorgaben der drei Zielkarten erfüllt hat. Diese geben alle jeweils drei Symbole vor – bestimmte Blumen- und Insektenarten, die wir in unserer Auslage haben müssen, um das Ziel zu erfüllen. Am Ende der ersten Runde gibt’s dafür fünf Punkte, am Ende der zweiten Runde noch drei und am Ende der dritten und letzten Runde noch zwei Punkte pro Ziel.
Bunte Sträuße und schicke Skulpturen
Am Ende des Spiels punkten natürlich unsere kleinen Aufgabenkarten, je nachdem wie gut wir sie erfüllt haben, dazu die Ziele und die Steine – aber es gibt auch noch Blumensträuße und Skulpturen. Beides sind ebenfalls Karten, die wir aus dem Raster sammeln können – Sträuße geben immer eine Blumensorte, Farbe und ein Insekt vor.
Je nachdem wie viel davon wir erfüllt haben, punkten sie ebenfalls. Bei Skulpturen, die unseren Garten zieren, zählt wiederum die Mehrheit – wer am meisten davon gesammelt hat, wird mit Extra-Punkten belohnt. Und wer am meisten Punkte hat, kann die Partie für sich entscheiden.
Gewitzte Krähe stört entspanntes Solo-Spiel
Auch solo funktioniert „Blumengarten“ ganz hervorragend. Eine vorwitzige Krähe mit ihrem eigenen Kartendeck klaut Steine und Karten aus der Auslage, und wenn wir zulassen, dass sie zu viele Steine sammelt, stibitzt sie sogar Blumen aus unserem eigenen, schon schön aufgebauten Garten. Das können wir verhindern, indem wir dafür sorgen, dass sie weniger Steine sammeln kann.
Dafür verzichten wir aber auf eine Karte in dieser Runde, und damit am Ende auch auf Punkte. Es gilt immer abzuwägen, was gerade die schlechtere Alternative ist.
Dabei hat der Solomodus quasi keinen Aufwand und geht ganz entspannt nebenbei von der Hand.
Hübsches Kleinod vereint Entspannung und Anspruch
„Blumengarten“ ist für mich ein großartiges kleines Spiel – es ist schnell erklärt und gespielt, bietet aber dennoch knifflige Entscheidungen und angenehmen Tiefgang. Das Material ist sehr wertig, die Optik zauberhaft. Am Ende einer Partie den geschaffenen kleinen Garten noch ein wenig bewundern – das gehört hier einfach dazu.
Eine Partie ist in 20 bis 30 Minuten gespielt, hier lügt die Packung nicht, auch zu viert dauert es nicht länger. Die gelungene Symbolik trägt immens zum Verständnis bei und auch Menschen, die sonst vielleicht nicht so viel spielen, verstehen „Blumengarten“ schnell und können problemlos mitspielen. Volle Empfehlung für ein entspanntes, nicht banales Spiel, bei dem sich nebenbei auch hervorragend eine Tasse Tee genießen lässt.
Aus der Reihe
„Blumengarten“ hat einen Vorgänger: „Kräutergarten“.











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