Noch jemand die Nase so voll von Kälte und Winter? Genau. Wir brauchen frühlingshafte Blumen! Am Spieltisch mit „Wildwuchs“ wird es sogar eine ganze Blumenwiese – für jeden am Tisch eine eigene in einem ausgesprochen unterhaltsamen Set-Collection-Spiel mit Open-Draft-Elementen.
Der Aufbau ist erfreulich schnell erledigt. Blumen mischen, fünf auf dem Spielplan bereitlegen neben Bienen, Ameisen und Regenbögen. Jeder Spieler bekommt eine noch kahle Wildblumenwiese, auf der gleich blühendes Grünzeug wachsen will. Dann noch eine Blume mit einem Samen für jeden plus ein privater Samenvorrat, dessen Größe von der Anzahl der Spieler abhängt.
Startspieler mit Regenwurm
Je nach Anzahl der Spieler gibt es zu Beginn auch noch Regenbogenchips und/oder eine zusätzliche Blume zum Start für die, die später in der Runde dran sind, um den Vorteil des Startspielers auszugleichen. Dazu später mehr. Los kann es gehen mit Sähen und Sprießen lassen.

Genauer gesagt beginnt, wer den Start-Wurm hat. Auch ein Satz, den man eher selten hört. Aber egal. Jeder Zug durchläuft drei Phasen. In der Wachstumsphase wählt man eine der fünf Blumen vom Spielplan. Es gibt Klatschmohn, Roter Fingerhut, Lampionblume, Ährige Teufelskralle und Flachblatt-Mannstreu. Kosmostypisch gibt’s natürlich Infos zu den Blumen am Ende der Anleitung – schön!

Auswahl entscheidet über Wachstum
Zunächst liegt die gewählte Blume neben der eigenen Wiese und ein Samen kommt auf das unterste Feld. Jetzt wird gewachsen! Der Spielplan, auf dem die fünf Blumen liegen, ist auch in fünf Felder in den Farben der Blumen (Rot, Lila, Orange, Weiß, Blau) unterteilt.

Egal, welche Farbe die genommene Blume hat, es wachsen jetzt bei allen Spielern alle Blumen der Farbe des Feldes. Hat ein Spieler also einen roten Klatschmohn vom weißen Feld des Flachblatt-Mannstreus genommen, dürfen sofort alle Spieler ihre Samen bei all ihren weiß blühenden Pflanzen ein Feld nach oben schieben.
„Wildwuchs“ auf Blumenwiese
Sobald ein Samen dadurch das letzte Feld einer Blume verlässt, ist sie ausgewachsen und der Spieler steckt sie aufrecht in seine Wildblumenwiese. Und ja, das sieht im Laufe des Spiels einfach immer hübscher aus.
Der Samen ist jetzt wieder frei für die nächste Blume, denn wer keine freien Samen hat, kann keine neue Blume pflanzen. Stattdessen wählt man in seinem Zug nur eine Farbe, die dann wiederum bei allen am Tisch die Samen der passenden Blumen nach oben ziehen lässt.
Kettenzüge machen zufrieden
All das ist nun schon recht nett, wäre aber irgendwie zu einfach. Darum gibt es Felder auf den Blumen, die mit Glück und gärtnerischem Rückenwind sehr zufrieden machende Kettenzüge erlauben.

Auslöser sind immer Doppelfelder, die mit einem Pfeil verbunden sind, pro Blume gibt es zwei Doppelfelder. Wer am Ende seines Zuges auf dem unteren Feld steht, darf in der auf das Wachstum folgenden Pfeilphase seinen Samen auf das obere der beiden Felder ziehen und dann auch direkt den Effekt dieses Symbols nutzen. Eine Art Effektfeld lässt wiederum die eigenen Blumen einer Farbe wachsen.

Effekte für Insekten und Blumen
Alle anderen Felder sind mit Tiereffekten verbunden. Schmetterling und Raube lassen entweder alle höchsten oder alle niedrigsten Blumen des Spielers einen Schritt wachsen. Ein Marienkäfer pflanzt sofort die oberste Blume vom Nachziehstapel, aber nur, wenn ein Samen frei ist.

Es kreucht und fleucht auf der Wiese
Eine Biene landet auf dem Feld einer Blume. Wer weitere Bienen hat, darf sie nun umplatzieren – oder auch nicht. Am Ende darf auf jeder Blume nur eine Biene sitzen. Ähnlich funktionieren die Ameisen, nur dass alle Ameisen auf einer Blume herumkrabbeln. Für beide Tiere gilt: Samen überspringen Felder, mit Ameisen oder Bienen, kommen so also schneller vorwärts.
Zu guter Letzt hätten wir noch den Grashüpfer. Rückt ein Samen auf ein solches Feld, darf der Spieler bei allen anderen Blumen auf deren Grashüpfer-Feld ziehen, natürlich nur, wenn es nach oben geht, man will ja nicht rückwärts wachsen, also nach unten rücken.
Mit Regenbogen nachhelfen
Weil’s manchmal nicht so ganz passt mit dem Zug, der mehr Züge auslöst, kommen die Regenbogenchips ins Spiel. Mit einem solchen Chip kann ein Spieler in der Pfeil-Phase einen Schritt auf einer beliebigen Blume gehen und damit hoffentlich den besten aller Kettenzüge auslösen.

Regenbogenchips können sich die Spieler auch später noch verdienen – für jedes Set von fünf verschiedenen Blumen gibt es einen. Wobei mehr als zwei Sets pro Spiel ausgesprochen unwahrscheinlich sind.
Wunderbar zugängliches Familienspiel
Ein Zug endet mit der Aufräumphase, in der der Spieler wieder auf fünf Blumen auf dem Spielplan auffüllt, schon ist der nächste Hobbygärtner an der Reihe. Das Spiel endet, wenn der Blumen-Nachziehstapel leer ist, die Runde wird noch zu Ende gespielt. Wer dann die meisten Blumen auf der eigenen Wildblumenwiese hat, gewinnt.
„Wildwuchs“ ist ein wunderbar zugängliches, definitiv nicht zu simples Familienspiel, das zwar nicht groß ist, aber über die Blumenwiesen doch eine tolle Tischpräsenz hat. Das Material ist schön, die Kettenzüge lassen ein sehr zufriedenes Gefühl zurück. Das bleibt definitiv im Regal und hilft bestens, im Winter für die ersten Frühlingsanmutungen zu sorgen. Es gibt auch schon eine Mini-Erweiterung, die mehr Insekten durch passende Blumen-Kombinationen ins Spiel bringt.
Mehr von Kasper Lapp
Da ist Kasper Lapp, den man auch von „That’s not a hat“, „Magic Maze“ oder „5 Towers“ kennt, ein wirklich großartiges, kleines Spiel gelungen, das wir alle gern wieder auf den Tisch bringen.
















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