Ein gelungenes Cover kann für ein Spiel viel bewirken. „Viva Catrina“ wollte ich schon allein wegen des wunderschönen, kunterbunten Artworks mit „Dia de los Muertos“-Thema haben. Nun steckte aber auch noch ein ausgesprochen gelungenes Plättchen-Puzzle in der Schachtel, das bereits mehrere Runden überzeugt hat. Die deutsche Lokalisierung erscheint demnächst bei Huch!.
La Catrina gilt als die bekannteste Figur der Tage der Toten, mit denen Mexiko seine Verstorbenen feiert, ein Frauenskelett mit großem Hut. Jérémie Fleury hat das einfach hinreißend auf Cover und Startspielermarker illustriert.
Rauschendes Fest zu Ehren der Toten
Ziel des Spiels ist es, in unserem Dorf ein rauschendes Fest zu Ehren der Toten – und mit ihnen zu feiern. Damit wollen wir uns der geheimnisvollen Catrina als würdig erweisen. Na dann mal los.
Jedes Fest beginnt mit einem rechteckigen Startplättchen, das einen Brunnen, ein lilafarbene Straße, ein orangefarbener Blumenpfad mit Schmetterling und einen Laden zeigt. Außerdem zwei unterschiedliche Böden rechts und links der Straße: gepflasterte Steine und Wiese.

Übersichtlicher Spielplan mit guter Symbolik
Damit haben wir schon einige essenzielle Bestandteile des folgenden Plättchen-Puzzles genannt, es bedarf aber noch Erläuterungen. Erst mal erledigen wir aber den Aufbau: In der Tischmitte liegt ein Spielplan mit bestes gestalteter Übersicht, was wie und warum punktet.
In der Auslage auf dem Spielplan landen auch noch Chimären- und Ballonplättchen. Außerdem ist darauf Platz für zwei Reihen der quadratischen Plättchen. Je nach Anzahl der Spielenden sind die Reihen auf Vorder- und Rückseite des Spielplans länger oder kürzer.
Plättchen immer direkt anbauen
Diese Plätze füllen die Spielerinnen mit Plättchen aus dem hübschen Stoffbeutel. Zur Auswahl stehen immer nur die vier Plättchen an Anfang und Ende der beiden Reihen, zum Rundenende hin können es auch weniger sein.
Der Spieler baut dieses Plättchen direkt an sein Startplättchen an – drehen ist erlaubt, orthogonal angrenzend ist Pflicht. Es ist egal, ob gepflasterte Wege an Blumenpfade grenzen oder ob ein Pfad als Sackgasse endt. Es ist nur meistens sehr, sehr viel sinnvoller passend zu bauen.
Ballons, Schmetterlinge und mehr
Denn auf den Plättchen findet sich neben den Wegen noch mehr: Bunte Ballons, Schmetterlinge, Gäste, Altäre oder Verkaufsstände. All das fließt auf verschiedene Arten in die Schlusswertung ein – aber nur, wenn es mit Wegen oder Blumenpfaden an die Fontäne, die bei genauem Hinsehen La Catrina zeigt, auf dem Startplättchen angeschlossen ist.
Und es wäre ja langweilig, wenn die Plättchen nicht so gestaltet wären, dass die Spielerin immer wieder Entscheidungen treffen muss: Schmetterlingspfad oder Laden ans Wegenetz andocken? Gäste oder Ballons nehmen?
„Viva Catrina“: Feiern mit Gästen
Um das zu verstehen, sind die unterschiedlichen Wertungen wichtig: Jeder Gast auf den Straßen bringt einen Punkt, wir unterscheiden hier nicht, ob es Kostümierte oder Tote sind, wir freuen uns über jeden der knuffig gestalteten Gäste.

Jeder Schmetterling bringt sogar zwei Punkte, die Blumenpfade haben aber keine weiteren Effekte. Dafür aber eine Geschichte: Während der Dia de los Muertos ziehen Monarchfalter über Mexiko und machen gerne Halt an den Blumengirlanden über den Straßen. Sie gelten in der Mythologie Mexikos als Symbol für die Rückkehr der Seelen Verstorbener. Schön, oder?

Je mehr Ballons, je besser
Wir können aber auch rote, grüne, blaue oder gelbe Ballons aufsteigen lassen. Je mehr wir davon haben, desto besser.
Drei bringen Punkte, sammeln wir sechs einer Farbe verdoppelt sich die Punktzahl.
Fantastiche, farbenfrohe Fabelwesen bei „Viva Catrina“
Und dann wären da noch die wundervollen, fantastischen, farbenfrohen Chimären, Alebrijes genannt. Die Fabelwesen aus Pappmaché sind moderner Bestandteil der Tage der Toten und ziehen durch die Straßen.
Dafür braucht’s aber Platz. Also bauen wir ihnen zwei mal zwei oder zwei mal vier Felder große Sockel. Jede der putzigen Figuren ist anders, gemein ist ihnen dagegen, dass die großen fünf und die kleinen drei Punkte bringen.
Unterschiedliche und doppelte Stände
Weil es bei unserem Fest Dinge zu kaufen geben muss, mit denen die Altäre für die Verstorbenen dekoriert werden, brauchen wir Verkaufsstände. Per Symbol zeigen sie ihre Waren: Pan de muerto, ein Gebäck, das typisch für die Tage der Toten ist, Obst, Wimpel, Kerzen, Blumen und Calaveras, kunterbunt gestaltete Totenköpfe, die meistens aus Pappmaché, Zucker oder Ton bestehen.

Wir wollen unterschiedliche Läden sammeln, zwei bringen einen Punkt, sechs dann schon starke 25. Aber auch doppelte Läden sind eine gute Sache, denn dann darf die Spielerin ein zusätzliches Plättchen aus dem Beutel ziehen und direkt anlegen.

Ofrendes zu Ehren der Verstorbenen
Eine Sache fehlt noch zum Wertungsreigen: die Ofrendas, prachtvoll geschmückte Altäre, die Familien zu Ehren der Verstorbenen vorbereiten. Sie können mit einem zusätzlichen Punkt jedes der oben genannten Elemente verstärken und geben so eine Richtung vor, was ein Spieler sammeln möchte.

Eine Runde endet, wenn alle Plättchen verbaut sind. Eine Partie dauert immer so viele Runden, wie Spieler am Tisch sitzen. Zu zweit oder dritt landen 20 Plättchen in der eigenen Auslage, ab drei Spielern sind es 16.

Gute an Anzahl der Spieler anzupassen
Mit Wertungsblock notieren wir am Spielende all unsere Punkte und genießen noch einen Moment die farbenfrohe Auslage, bevor wir zur nächsten Partie starten. Ich frage mich so ein bisschen, warum „Viva Catrina“ in der Brettspielbubble so wenig auftaucht, weil es meiner Meinung nach ein wirklich gutes Plättchen-Puzzle mit toll illustriertem Material und vielen hübschen kleinen Entscheidungen ist.
Weitere Pluspunkt ist die gute Anpassbarkeit an die Anzahl der Spieler. „Viva Catrina“ funktioniert zu zweit wie zu viert prima, zu sechst haben wir es noch nicht probiert, es dürfte sich aber wenig ändern, außer dass noch mehr Bewegung an den Enden der Plättchenreihe entsteht.
Wissenswertes über Dia delos Muertos
Schön ist auch, dass in den Regeln allerlei kleine Hinweise auf die tatsächlichen Vorgänge bei den Dia de los Muertos zu finden sind, seien es die Altäre, der Flug der Monachfalter oder der Zug der Alebrijes – wir bleiben ständig im Thema. Diese kunterbunte, schnell gespielte Juwel bleibt definitiv im Regal und wird noch oft auf dem Tisch landen.
Außerdem mag ich den Gedanken, dass die Toten einmal im Jahr zu Besuch aus dem Jenseits kommen und mit den Lebenden ein fröhliches Fest zum Wiedersehen mit Essen, Tanz, Blumen und Musik feiern. Das steht im krassen Kontrast zu im gleichen Zeitraum gefeierten Halloween, wo die Geister verjagt werden sollen. Da ist mir doch eine Party mit den Geistern der Menschen, die hier und heute schon fehlen, viel lieber. Also: Salud! Und lasst uns gern noch eine Partie „Viva Catrina“ vor der Party spielen.
































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