Moon Colony Bloodbath: Macht Namen alle Ehre


Seltenst fand ich ein Spiel so gut, das mich thematisch und vom Titel her so wenig angesprochen hat wie „Moon Colony Bloodbath“. Okay, das Thema mit den Katastrophen und ausrastenden Robotern in unserer Mondbasis, die im Kollektiv die Bevölkerung dezimieren, ist immer noch gewöhnungsbedürftig. Die Spielmechanismen aber greifen grandios ineinander, Ressourcenverknappung und -schwund in Höchstkultur verbunden mit immer größeren Katastrophen: Es ist einfach großartige Spielkunst – und völlig verdient unter den Top drei der Nominierten zum Kennerspiel des Jahres 2026 zusammen mit „Rebirth“ und „Boss Fighters QR“.

  • Autor: Daniel X. Vaccarino
  • Illustration: Franz Vohwinkel
  • Spielerzahl: zwei bis fünf
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: 45 bis 90 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: alle spielen gleichzeitig
  • Verlag: Alea (Ravensburger)

Also – Vorgeschichte: Wir haben auf dem Mond gesiedelt und jeder von uns maximal fünf Genies – die Dres. Gibson, Brain, Banerjee, White und Kaneko – führt eine Kolonie. In einer solchen leben zu Beginn jeweils 30 Menschen, nach und nach bauen wir gegen Geld weitere Gebäude mit Bevölkerung, ernten Nahrung und lagern beziehungsweise nutzen Kisten.

Flotter Aufbau, langes Desaster

So weit so friedlich. Bevor wir uns mit den Problemchen meist tödlicher Natur beschäftigen, ist noch ein bisschen Vorbereitung nötig. Jeder erhält vier Gebäudekarten, der Rest wird gemischt verdeckt bereit gelegt neben den Stapeln für Twists und Roboter. Offen liegen die Stapel der Entwicklungen und Ereignisse.

Zu unserer jeweiligen Kolonietafel erhalten wir vier Aktionsmarker und fünf Vorteilskarten. Dann bauen wir unseren Ablaufstapel. Enthalten sind: Zwei Problem-, vier Arbeits- und zwei zufällige von 25 Twistkarten. Viele, viele weitere Karten kommen nach und nach in den Stapel. Die meisten sind – vorsichtig formuliert – unerfreulich bis desaströs. Und man legt sie immer so auf den Ablaufstapel, dass sie direkt als nächstes gezogen werden. Man sieht die Katastrophe als auch gleich schön kommen. Titanic, Eisberg, Vollgas…

„Moon Colony Bloodbath“ ist ganz und gar nicht nett

Wie der Name schon sagt, regelt der Ablaufstapel, wie eine Partie abläuft. Indem ein Spieler die oberste Karte aufdeckt. Alle führen gleichzeitig die Anweisung aus. Es folgt die nächste Karte. Ist der Stapel leer, mischt ihn jemand und es geht weiter. Und weiter und weiter, bis das Spiel endet.

Klingt simpel? Am Arsch. Entschuldigt die Wortwahl, aber das Spiel ist alles, außer nett zu uns armen Mond-Kolonisten! Da hat nicht mal das ausgelagerte Extrahirn von Dr. Brain geholfen, ich spreche aus leidiger Erfahrung.

Viel zu wenig von allem

Die einzigen Karten, über die wir uns freuen sind viel zu selten ins Spiel kommende Vorteilskarten, dazu später mehr. Und die vier Arbeitskarten. Denn die erlauben es einer Spielerin eine von fünf Aktionen auszuführen. Schürfen bringt vier Geld, Ernten vier Äpfel, Forschen zwei neue Gebäudekarten. Es ist von allem nie genug. Beim Bauen wandert ein Gebäude von der Hand in die eigene Auslage, das bezahlt die Spielerin mit Geld bezahlt. Aufstocken ist eine Aktion, die zwei Kisten auf errichteten eigenen Gebäuden platziert, wo sie später für Zusatzaktionen nutzbar sind.

Die meisten Gebäude haben Effekte, die die Kolonie voranbringen sollen. Wer ein Restaurant hat, gibt von vier geernteten Äpfeln einen ab und erhält dafür vier Geld. Manche Gebäude erlauben es auch, eine eigene Vorteilskarte, die Ressourcen bringt, oder positive Entwicklungskarten in den Ablaufstapel zu bringen. Wer die Mine gebaut hat, schürft gleich sechs statt vier Geld und so weiter.

Nichts als Probleme auf dem Mond

Kurz gesagt: Die Effekte der Gebäude sind vielfältig und auf den Karten sehr gut beschrieben, da können kleine, feine Engines entstehen. Aber gewöhnt euch nicht zu sehr daran. Warum? Weil es nicht lange dauert, bis uns auf dem Mond alles um die Ohren fliegt.

Denn schon im Start-Ablaufstapel schlummern zwei Problemkarten. Sobald eine aufgedeckt wird, landet das nächste von 13 Ereignissen auf dem Ablaufstapel. Da leidet die Belegschaft Hunger, man verliert Gebäudekarten oder muss Roboter hinzufügen. Und die metzeln dank offenbarer lunarer Fehlfunktionen immer mal wieder Bewohner nieder.

Roboter für alles – und alle drehen durch

Wir nutzen die Roboter für alles auf dem Mond: zum Bauen und Schürfen, zum Bohren und Lagern. Wir agieren mit automatischen Türen, Lieferdrohnen, Roboter-Freund und empfindsamer KI. Es gibt außerdem den Reparaturroboter, den Roboter-Butler, den Servierroboter oder den Stapelroboter. – klingt alles nett, kostet alles Bevölkerung. Misttechnik! Im Kollektiv brennen denen dauernd die Sicherungen durch!

Sobald die Plättchen verbraucht sind, muss der Koloniechef anfangen, Gebäude abzureißen und die darin wohnende Bevölkerung zum „Bezahlen“ der Killerroboter verwenden. Immerhin gibt es Menschenplättchen als Wechselgeld raus, wenn der Mond-Terminator sieben Bevölkerung vernichtet, und das Restaurant aber zehn bringt. Makaber? Ja. Bösartig? Ja. Muss man abkönnen, sonst braucht man ein Spiel, das – zur Erinnerung – „Moon Colony Bloodbath“ heißt, gar nicht erst kaufen.

Grandioses, gnadenloses Spiel

Wären wir auch schon beim Ende des Spiels: Sobald ein Kolonist keine Bevölkerung mehr hat, beschließt der Rest, den Erdtrabanten gen blauen Planet zu verlassen. Reicht jetzt mit der Mondsiedlung! Wer die meisten Bewohner mit nach Hause bringt, gewinnt ein höchst unterhaltsames, gnadenloses Spiel, das in all seiner Bösartigkeit großen Spaß macht, in jeder Besetzung gut funktioniert und auch noch mit einer Solo-Variante daherkommt.

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