Zenith Corp. will einen fremden Planeten besiedeln. Dafür sind wir im grandiosen Spiel „Tend“ als Mitarbeiter von Zenith Corp. auf eben jenen Planeten geschickt worden. Denn dort gibt’s viel zu tun in einem bemerkenswerten Flip-and-Write, das nicht ganz ins Genre passt. Nicht nur, weil nicht jeder seine eigene Karte flippt und irgendwo einträgt, sondern weil „Tend“ dermaßen aufgebohrt ist, dass es viel, viel mehr mitbringt. Es ist also eher ein Alles&Write mit herausragender Optik, was vielleicht erklärt, warum ein Spiel eine künstlerische Leitung hat.

Kurz zusammengefasst, wollen wir: Höfe errichten, Land urbar machen, Tiere versorgen, Pflanzen anbauen, Minen durchwühlen, Wälder durchforsten, angeln, Werkzeug verbessern, Waren geschickt lagern, Belohnungen verdienen. All das kommt in einem mehrere Kilo schweren Paket daher, bei dem ich mich schon direkt in das zauberhafte Cover verliebt habe.
„Tend“ mit Rubbelkarte und Stempelstiften
Beim Aufbau sind wir eine Weile mit Verteilen von Materialien beschäftigt. Jeder erhält einen Hof- und einen Ladebogen, eine Rubbelkarte mit Wald und Mine (Ja, richtig gelesen, Rubbelkarte und ich feiere es jedes einzelne Mal!), sechs verschiedenfarbige Stempelstifte (Ja, richtig gelesen, Stempelstifte. Ich liebe sie!), ein Warenlager-Tableau, Nachbarschafts-, Angel- und Geodenkarten.
Außerdem liegen in der Tischmitte Würfel in drei Größen bereit – sie stehen für Tiere und Pflanzen. Dann hätten wir noch jeweils für die drei zu spielenden Jahreszeiten Aufgabenkarten und Ziele, die in Stapeln auf der schön gearbeiteten Spielmatte warten.
Aufgabenkarten steuern Züge
Klingt nach richtig viel Material? Japp, ist es. Für Tend mit vielen Spielern braucht es einen sehr, sehr großen Tisch. Es ist aber einfach jede Sekunde Aufbau zigfach wert.

Gesteuert werden die Züge durch Aufgabenkarten. Am Anfang einer Partie in Jahreszeit eins ist auf den Karten immer nur eine Aufgabe zu sehen, in späteren Jahreszeiten können es mehrere sein.
Aktionen oder Münzen
Fünf davon sind auf der Spielmatte aufgedeckt. In einer Runde wählen alle Spieler eine Aufgabe und führen die dazugehörige Aktion aus. Es gibt Abholzen, Schürfen, Pflegen, Angeln oder Münzen.

Die letzte Aktion ist die einfachste: Münzen kann ein Zenith-Mitarbeiter an diversen Stellen von Hof- oder Ladebogen zum Bezahlen nutzen.
Werkzeuge verbessern für bessere Ressourcen
Abholzen und Schürfen bedeutet, dass man ein Feld auf der Rubbelkarte von Wald oder Mine freirubbeln darf – das geht hervorragend mit den Zenith-Münzen. Bei den Rubbelkarten gilt: In der oberen Reihe anfangen oder angrenzende Felder freirubbeln.
Beide Bereiche sind zweigeteilt. Um in den belohnenderen unteren Bereich zu gelangen, muss ein Spieler die entsprechenden Werkzeuge verbessern – und sich erst mal nach unten zu Teil zwei durcharbeiten. Das passiert auf dem Hofbogen mit Münzen und anderen Ressourcen.
Rubbelvideo gefällig? Bitte schön!
„Tend“ ist extrem belohnend trotz knapper Waren
Im Wald sammelt ein Zenith-Mitarbeiter Holz, in der Mine Metalle, an beiden Orten sind weitere Ressourcen versteckt. Mit Glück ruppelt eine Spielerin ein Feld mit einem kleinen Pfeil frei, das erhöht die Stufe von Abholzen oder Schürfen, was zusätzliche Rohstoffe bringt.

Sowieso ist das ein Grundprinzip von „Tend“: Die Planetenkultivierer werden ständig für irgendwas belohnt, teils mit unterhaltsamen Kettenreaktionen, bei denen eine Aktion Markierungen an mehreren Stellen auf Hof- oder Ladebogen nach sich zieht.
Bessere Angel, größere Fische
Angeln sollte sich selbst erklären: Wir hängen einen Haken an einer Schnur in ein Gewässer und warten auf Beute. Dafür lässt die Spielerin einen schwarzen und einen weißen Würfeln rollen. Angebissen hat das Tier auf dem Feld, wo sich die Spalte (weißes Ergebnis) und Reihe (schwarzes Ergebnis) kreuzen. Gleiches Prinzip gilt, wenn irgendwer irgendwo beim Angeln, Schürfen oder Abholzen auf eine Geode stößt.
Auch die Angel ist aufzumotzen, dann stehen weitere Fische zur Wahl. Außerdem können nach und nach auch weitere Gewässer freigespielt werden, in denen die Spielerin dann auch wieder angeln kann.
Acker beackern mit Pflanzen oder Tieren
Kommen wir zur Pflege: Hier stehen drei Aktionen zur Wahl: Der Spieler kann auf dem Acker auf sechs Feldern Erde bestellen, also nutzbar machen. Dort wiederum lässt sich dann eine Feldfrucht pflanzen. Es gibt Beeren, Ananas, Frucht und Kürbis, die als Würfel auf dem Acker landen und unterschiedlich viele Felder bestellter Erde bedecken. Beeren brauchen ein Spalier, das Holz und Münzen kostet. Der Spieler kann aber auch eine Feldfrucht und alle, die an sie angrenzen bewässern, also den Würfel um eins erhöhen, wodurch die Früchte reifen.
Er kann auch Tiere – Hühner, Schafe und Kühe – kaufen, die allerdings ein umzäuntes Gelände brauchen. Logisch, sonst sind sie flugs verschwunden auf unserem schönen, neuen Planeten. Zäune, ihr ahnt es, bezahlen wir auch mit diversen Ressourcen. Jeder Spieler regelt all das für sich auf seinen Spielmaterialien. Immer sobald genug Ressourcen für eine Sache abgestrichen sind, darf man das Erreichte nutzen.
Bei „Tend“ gibt’s Geschenke für Nachbarn
Die Aktionen sind eingebettet in einen Rundenablauf. Bei der Nachbarschaftsphase nutzen die Zenith-Mitarbeiter Ressourcen, die sich benachbarte Höfe vorher geschenkt haben.
In Runde sechs und zehn folgt eine Wertungsphase, bei der die Spielenden prüfen, ob und wie gut sie das Ziel der dann abgelaufenen Jahreszeit erfüllt haben. Da bringen freigespielte Abzeichen oder bestimmte Anordnungen von Gütern in den Ladecontainern beispielsweise Extrapunkte.

In Wachstumsphase sprießt’s auf dem Hof
In der Vorbereitungsphase ziehen wir neue Aufgabenkarten. Im Laufe der insgesamt zwölf Runden kommen immer stärkere Karten ins Deck, die dank zu erfüllender Bedingungen zusätzliche Aktionen oder Boni bringen können.
Es folgt die Wachstumsphase. Die Spieler drehen alle Würfel auf ihrem Hof eine Zahl höher und erhalten die entsprechende Ressource. Ist die nächste Zahl ein X, sind die Pflanzen verbraucht, der Würfel kommt weg. Bei den Tieren passiert das nicht. Haben sie den höchstmöglichen Wert erreicht, dreht man sie auf die Startzahl zurück.
„Tend“-Ladecontainer mit Stempeln füllen
Darauf folgt die nächste Aufgabenphase und all das geht von vorne los. Und wofür? Um unseren Ladecontainer mit Stempeln, äh, Waren zu füllen. Das Warenlager-Tableau ist dafür hilfreich. Es zeigt Ressourcen, ihren Goldwert, falls wir mal wieder knapp bei Kasse sind, oder das Muster, mit dem wir diese Waren in der Ladeliste eintragen können.
Je wertvoller die Ressource, desto mehr Felder bedeckt die Ware. Hier kommen die Stempelstifte ins Spiel, jeder Ressourcenart ist eine Farbe zugeordnet. Muster gleicher Farbe dürfen nicht aneinander angrenzend gestempelt werden. Komplett gefüllte Reihen sind gut, weil sie wiederum Boni bringen. Weil’s so schön ist: Stempeln im Video!
Schlusswertung mit Medaillen-Punkten
Nach zwölf Runden haben wir noch eine Schlusswertung vor uns. Die Punkte für die möglichst gut gefüllten Container des Ladebogens zählen wir zu denen für die Ziele der drei Jahreszeiten. Dann gibt’s noch Zähler dafür, dass ein Spieler netter war als sein Nachbar, ihm also mehr geschenkt hat als umgekehrt.
Zu guter Letzt haben wir uns auf unserer Reise auf dem Planeten auch noch Medaillen verdient – die wir natürlich ebenfalls mit Ressourcen bezahlt haben. Wer die meisten Punkte hat, ist Mitarbeiter des Monats der Zenith-Corporation.
Grandioses Material, großartig erklärt, herausragendes Spiel
Man kann es nicht anders sagen: „Tend“ ist groß und großartig. Die vielen kleinen und bekannten Mechanismen sind so wunderbar miteinander verwoben, dass es einfach eine Freude ist, „Tend“ zu spielen. Nebenschauplatz in unserer Testrunde: Namen für Ressourcen erfinden. Plunderteilchen zum Beispiel.

Ich mag die Abläufe, die Illustrationen, die grandiosen Materialien. Ich kann gar nicht genug sagen, wie toll ich das alles finde. Solo-Regeln, Regeln für zwei Spieler, Spielhilfen und Herausforderungen mit zu erreichenden Höchstpunktzahlen sind die Kirsche auf der Torte eines herausragenden Machwerks aus dem Hause IV Studio.
Und weil ich es so gerne mag, könnt ihr euch gleich schon drauf freuen, dass ich euch demnächst „Graft“ vorstelle, das ebenfalls im ganz schnell ganz lieb gewonnenen Zenith-Corp.-Universum spielt.



















































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