On the Road: Üben fürs Festival

Seit 1968 strömen Menschen zum „Sunshine“-Festival, um eine Woche lang im musikalischen Epizentrum der Welt zu feiern. Unsere Band hat einen Auftritt ergattet und ein Jahr lang Zeit, um zu proben, eine Fangemeinde aufzubauen und es am Ende zum „Sunshine“-Headliner zu bringen. Das ist das Setting von „On the Road“, einem thematisch netten, einfachen Spiel ohne großen Tiefgang mit Set-Collection, ein bisschen Bag Building und viel Glück.

  • Autor: Gabriel Bubola & Leo Colovini
  • Illustration: Miguel Coimbra
  • Spielerzahl: zwei bis vier
  • Alter: ab acht Jahren
  • Dauer: 30 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: wer zuletzt ein Konzert besucht hat
  • Verlag: Helvetiq

In der Tischmitte findet sich sozusagen die Road, einer Aneinanderreihung von Orten und Städten. Ausgangspunkt ist die Scheune, in der unser Bandprojekt seinen Anfang genommen hat. Das Ende der Tour ist die „Sunshine“-Hauptbühne. Um im Thema zu bleiben, gibt’s unterwegs noch Tickets, Orts-Chips, die auch wie Tickets aussehen, Toilettenhäuschen, Tourbusse und Fans, die alle sinnvoll ins Spiel eingebunden sind. Jeder Spieler erhält drei Karten und die 20 Fans seiner Farbe. Die restlichen Karten bilden den Nachziehstapel.

Drei Aktionen pro Zug bei „On the Road“

Pro Zug sind drei Aktionen fällig. Eine Bandleaderin spielt eine Karte aus, zieht eine Karte und zieht, falls nötig, Fans aus dem Beutel. Die Karten haben Werte von eins bis sechs. Sie geben an, wie viele Felder der eigene Tourbus auf der Strecke entlang von Orten und Städten fährt.

Normalerweise fährt der Bus nur vorwärts. Es gibt aber Orte, auf denen schon ein Tourbus abgebildet ist. Auf ihnen darf man rückwärts, den einfachen oder doppelten Wert vorwärts fahren. Weil an einem Ort immer nur eine Band gleichzeitig auftreten kann, zieht man ein Feld weiter, wenn der Weg auf einem besetzten Ort endet.

Konzerte geben, Fans einsammeln

Die Orte haben unterschiedliche Symbole, die ihre „Lage“ andeuten. Wer im Wald, am Wasser, im ländlichen Raum oder im verschneiten Dorf unterwegs ist, bekommt den passenden Orts-Chip mit Baum, Welle, Ähre oder Schneeflocke. Städte, Tourbus-Orte und die Hauptbühne bringen einen Noten-Chip.

Danach tritt die Band des Tourbus-Fahrers in Ort oder Stadt auf, er mehrt also seine Fangemeinde. Das bedeutet, er darf in einem Ort so viele seiner „Fans“, also Holzsternchen seiner Farbe, in den schwarzen Beutel schmeißen, wie er schon Orts-Chips dieser Art hat. Landet er auf einem Wald-Ort und war schon an zwei davon, kommen also drei Fans in den Beutel.

Stadt-Konzert bringt Fans vor Hauptbühne

In einer Stadt dagegen zieht er so viele Fans aus dem Beutel, wie er Chips mit Note hat. Eigene platziert er dann schön fein säuberlich vor der Hauptbühne. Fans anderer Bands bekommen einen weit weniger guten Platz: im Toilettenhäuschen. Und da will beim Festival nun wirklich keiner sein!

Folglich will man das verhindern! Immer, wenn eine Spielerin Fans aus dem Beutel zieht, darf man Orts-Chips unterschiedlicher Farbe für eine Spezialaktion ausgeben.

Spezialaktionen retten Fans

Hier bricht die thematische Einbindung des Spiels, denn das ergibt in der Erzählung der Orte, Tourauftritte und Fan-Einsammlerei keinen Sinn mehr. Mit zwei Chips darf der Spieler seine Fans statt aufs Klo zurück in den Beutel werfen oder, wenn er selbst gezogen hat, nochmal neu ziehen.

Wer drei Chips ausgibt, holt alle Fans eigener Farbe vom Dixi-Häuschen zurück in den Beutel. Ganze vier Chips soll es kosten, um sicher einen eigenen Fan, den jemand anders aus dem Beutel gefischt hat, auf die Hauptbühne statt aufs WC zu setzen – ganz schön teurer Spaß, dafür, dass man ziemlich flott über die ganze Tourstrecke gedüst ist, wenn man nicht zufällig glücklicherweise die Rückwärts-Orte erwischt. Dann sind es ziemlich wenige Chips für ziemlich viel Toilettenhäuschen-Probleme.

„On the Road“ sucht heißesten Act des „Sunshine“-Festivals

Sobald ein Spieler mit seinem Tourbus an der Hauptbühne angekommen ist, bekommt er das erste Ticket und darf fortan nicht mehr rücken aber in jeder Runde Fans ziehen und eigene vor der Bühne platzieren. Die anderen tun also gut daran, dann zuzusehen, dass sie schnell auch beim Festival ankommen, bevor all ihre Fans auf dem Stillen Örtchen weilen.

Die Partie endet, wenn am Ende eines Zugs die Hauptbühne komplett mit Fans gefüllt ist. Wer die meisten Unterstützer vor der Bühne hat, gilt als heißester Act des „Sunshine“-Festivals und damit als Sieger. Bei einem Gleichstand ziehen die Beteiligten so lange weiter, bis einer klar führt.

Wenig Einfluss, viel Glück

Thematisch passt bis aufs Ende und die narrative Unlogik mit dem Ausgeben der Chips viel bei „On the Road“. Trotz schönem Material und netter Idee kommt kein Tour-, Band- oder Festival-Feeling auf.

Gefühlt hat man relativ wenig Einfluss auf den Ausgang – die drei Karten zur Wahl sind wenig, um gezielt Symbole zu sammeln, von denen es wiederum am Ende zu wenig gibt, um den Ausgang wirklich beeinflussen zu können. Der eigentlich geschätzte Bag-Building-Mechanismus zündet hier auch nicht wirklich. Schade, das Thema ist wirklich gut. Wir hoffen jetzt sehr auf „Rock Hard 1977“. Review folgt.

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