Mit „Ito“ hat Heidelbär Games ein ungewöhnliches, kooperatives Partyspiel aus Japan nach Deutschland gebracht. Dabei sollen die Spieler gemeinsam nicht den namengebenden Faden (japanisch „ito“) verlieren. Das gelang uns nur bedingt.
Jeder Spieler wählt eine Farbe und erhält die entsprechenden beiden Karten. Die Zahlkarten mit Werten von eins bis 100 werden gemischt, jeder bekommt eine. Dann landet die Anfangskarte in der Tischmitte. Sie zeigt einen Ring, an den ein Faden geknotet ist, den wir nun metaphorisch weiterführen wollen.
120 Kategorien und viele mehr bei „Ito“
Dafür einigt sich die Gruppe auf eine der mitgelieferten 120 Kategorien, noch viel mehr sind per QR-Code in der Anleitung online zu finden. Sie sind in Zehnergruppen unterteilt. Bei „Das mag doch jeder!“ gibt es „Diese Marke ist beliebt“ oder „Dieses Essen ist super für Kindergeburtstage“, aber auch „Das riecht gut“.
Zu „So wichtig wie die Luft zum Atmen“ gehören „Das braucht man für eine gelungene Party“ oder „Dadurch bekommt man viele Follower“. Bei anderen Kategorien geht es um Filme, Vornahmen, Superkräfte, Doppelgänger, das Liebesleben und Geschenke, um nur einige zu nennen.
Partyspiel zum Kennenlernen
Man ahnt es schon, das Spiel dient dazu, dass sich die Partygäste bald sehr viel besser kennenlernen, als sie zu Beginn der Feier gedacht haben. Das muss man wollen, aber erst mal weiter im Text.
Ist die Kategorie festgelegt, schaut sich jeder im Geheimen seine Zahlkarte an. Nun versucht man einen passenden Hinweis zum Thema zu geben, der dem subjektiven Wert der Karte entspricht. Niedrige Werte bedeuten wenig Übereinstimmung, hohe Werte sind besonders zutreffend.

Manchmal hilft nur raten
Heißt: Bei der Kategorie „An diesem Ort bin ich oft glücklich“ dürfte ein Spielezimmer in Richtung 100 gehen, während der Zwinger mit tollwütigem Hund eher die Eins abbilden soll. Aber was ist, wenn ein Spieler die 48 und einer die 50 hat und beide 50:50-Hinweise geben? Da hilft manchmal nur raten.
In beliebiger Folge geben die Spieler ihre Hinweise und platzieren ihre verdeckte Zahlkarte mit ihrer Farbkarte und versuchen so die Zahlen ausgehend von der Startkarte aufsteigend zu platzieren. So entsteht nach und nach der namengebende Faden in der Tischmitte. Solange die Zahlkarten verdeckt sind, dürfen die Spieler die Reihenfolge und auch ihre Hinweise beliebig oft verändern.
Yoga oder kein Yoga? Das ist hier die Frage
Sind alle zufrieden, drehen sie die Zahlkarten um. Sind sie von links nach rechts aufsteigend angeordnet, ist die Runde gewonnen. Je mehr Personen am Tisch sitzen, desto schwieriger wird es allerdings, die Aussagen richtig zu deuten. Erst recht, wenn man die anderen nicht gut kennt.
Findet’s der andere vielleicht gut auf der einsamen Insel oder auf einem hohen Turm? Hält jemand Yoga für eine gute Idee für etwas, was man nach dem Aufwachen gern tut? Und ist Müllautofahrer ein wichtiger Beruf? Man weiß es oft einfach nicht.
Stärke und Schwäche von „Ito“
Das ist zugleich die Stärke und Schwäche von „Ito“. Ja, alle in der Gruppe erfahren so einiges über die anderen und man kann ja vorher klären, ob man die intimeren Kategorien weglassen will. Trotzdem kann es frustrierend sein, gerade, wenn die Zahlwerte eng beieinander liegen. Dann ist es einfach nur Glück, um sie am Ende in der richtigen Reihenfolge liegen.
Um „Ito“ schwieriger zu machen, können nach und nach immer mehr Spielerinnen nach einer siegreichen Runde für den nächsten Versuch zwei Zahlkarte ziehen. In einer Variante für zwei sollen von Beginn an immer zwei, später bis zu vier Zahlkarten pro Person im Spiel sein.
König Zufall muss helfen
„Ito“ ist für mich aber ein typisches Spiel, bei dem „ab zwei Spieler“ als Aufdruck auf der Schachtel wenig Sinn ergibt. Zu zweit kommt wenig Spaß auf dabei, sich selbst wiederholt neue Begriffe zur Zahl zur Kategorie zu überlegen, die dann bitte noch die 35 von der 40 unterscheiden sollen.
Mehr Zahlkarten waren bei uns auch ganz grundsätzlich nicht nötig. Es war so schon oft genug eher Zufall als richtige Einschätzung, dass der Faden nicht gerissen ist. Und wir waren weit von den maximal acht Spielern am Tisch entfernt. Wie weit? Schätzt doch mal…
Passende Gruppe für „Ito“ nötig
Optisch ist „Ito“ unspektakulär und übersichtlich. Zahlen, Farben, fertig. Als Partyspiel kann es in der passenden Gruppe gut funktionieren. Bei uns hat es in mehreren Spielrunden nicht recht überzeugt. Überlegungen zur Verbesserung waren, den Zahlraum zu verkleinern, um eher eine Chance auf deutliche Hinweise zu bekommen. Probiert haben wir’s mit der Hausregel noch nicht. Für uns stehen zu viele bessere Partyspiele im Regal.
Auch die Alterseinschätzung ab acht Jahren scheint recht jung. Teils wird da wohl noch die Befähigung fehlen, Mitspieler und deren Aussagen in einem Zahlraum von 100 richtig einzuschätzen. Andererseits müssen Fragen wie „Was muss mein Liebhaber tun um mich glücklich zu machen“ oder „Dieses Sachbuch würde ich kaufen“ oder „Das wäre ein super Heiratsantag“ dann wohl eher ausscheiden.
Eisbrecher bei austauschwilligen Gästen
Wem die Raterei beim Kennenlernen der anderen Gäste nichts ausmacht, der dürfte bei „Ito“ aber seinen Spaß haben. Es kommen sicher auch – hoffentlich nette – Gespräche in Gang darüber, warum man welche Zahl mit dieser oder jener Assoziation gelegt hat. Das kann durchaus ein Eisbrecher in einer offenen, austauschwilligen Partygruppe sein.




















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