Arbeitssicherheit als Thema eines Spiels? Geht das? Die Wormser Spieleautorin Susanne Ziegler beweist: Ja! Die selbstständige Fachkraft für Arbeitsschutz (www.arbeitsschutz-smart.de) ist mit Begeisterung dabei, ihr zweites Spiel zu entwickeln: „Gründerzeit 1881“ entführt die Spielenden in genau die Zeit, in der es in der Unternehmenswelt zum ersten Mal richtig um Sicherheit am Arbeitsplatz ging. Der Prototyp ist so weit gediehen, dass Ziegler jetzt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext.com auf Unterstützer hofft. Ein Werkstattbesuch.

Auf dem Tisch in Zieglers Kreativraum liegt allerlei Spielmaterial, schön ausgearbeitete Komponenten, denen man wünscht, dass sie genau so in der Produktion landen, allein schon die Dampfmaschine ist ein Hingucker. In Kartons stapeln sich weitere Materialien, die mal im Spiel waren und dann wieder rausgeflogen sind. Hilfreich waren dabei diverse Testrunden vom anspruchsvollen Table-Top-Club in Worms bis hin zu Freundinnen, die weniger spielen. Von allen gab’s Feedback, das Ziegler wieder und wieder eingearbeitet hat.
„Gründerzeit 1881“: Dampfmaschine verändert die Welt
So ist der Prototyp über eineinhalb Jahre immer weiter gewachsen. Die Wormserin hat Designs und Grafiken entworfen, Kartons und Holzscheiben beklebt, Umklapp-Mechaniken gebaut. Warum sie sich für die Gründerzeit entschieden hat? „In den 50er-Jahren des 19. Jahrhunderts hat die Dampfmaschine die Welt aus den Angeln gehoben. Wo sollten die Leute zum Arbeiten in den Fabriken herkommen? Man hat sie vom Land in die Stadt geholt, die Städte waren aber nicht bereit dafür. Es gab keinen Wohnraum und auch Sicherheit war kein Thema“, erzählt Ziegler von ihren Recherchen. Anders gesagt: Die Arbeitsbedingungen waren schlecht und wer einen Unfall hatte, war selbst Schuld und mit den Folgen alleingelassen.

Das änderte sich nach und nach. Explosionsgefährdete Dampfmaschinen wurden regelmäßig überprüft, es gab erste Regelungen zu Arbeitszeit und -schutz, Kranken- und Unfallversicherung. Also genau die richtige Zeit, um sich spielerisch mit dem Thema zu befassen.
Fabrik aufbauen, Arbeiter anstellen, in Automatisierung investieren
In „Gründerzeit 1881“ starten Spielende dank Karten mit Unternehmern der Gründerzeit wie Berta Benz, Werner von Siemens, Margarete Steiff oder Ernst Abbe mit Eigenschaften und asymmetrische Startbedingungen. Sie bauen ihre Fabrik auf, stellen Arbeiter, Meister und Ingenieure ein, kaufen Maschinen, investieren in die Automatisierung bis hin zur Dampfmaschine.

All das hat für den Betrieb immer Folgen in Form von Chancen und Risiken, die in fünf Skalen über dem Fabrik-Tableau zu finden sind. Investitionen können Produktivität oder Zufriedenheit der Mitarbeitenden, aber eben auch Ausfall-, Unfall- oder Brandgefahr erhöhen oder senken.
Solange die Skalen in ihren grünen Bereichen sind, ist alles bestens, in hell- oder dunkelroten Bereichen drohen dagegen Bußgelder, die die Unternehmensleitung von Investitionen abhält. Das will man natürlich vermeiden. All diese Abläufe werden auch noch beeinflusst von Ereigniskarten, die im Laufe des Spiels gefährlicher werden.

Mit „Gründerzeit 1881“ bei Spielwarenmesse in Nürnberg
Geld kosten auch medizinische Versorgung und Brandschutz im eigenen Betrieb. Dafür tüftelt Ziegler gerade noch an einer guten Darstellungsform. Die aktuelle ist zwar kreativ, aber schwierig in der Produktion. Das hat sie bei der Spielwarenmesse Ende Januar in Nürnberg erfahren, wo sie ihr Spiel bei Produzenten und Spieleverlagen vorgestellt und weitere wertvolle Rückmeldungen bekommen hat.
„Es ist wirklich schwierig, ein Ende in der Entwicklung zu finden, man könnte immer noch etwas verbessern oder verändern. Aber jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um loszulassen und das Spiel zu produzieren“, verrät die Fachfrau für Arbeitssicherheit. Sie hat sich auch schon ein Label ausgedacht: „A.C.H.!“ Das ist die Abkürzung für „Arbeitsschutz. Clever. Handeln“. Darunter will sie ihre „Spiele für Sicherheit mit Köpfchen“ veröffentlichen.
Weiteres Spiel von Susanne Ziegler zu Gefahrstoffen
Vor „Gründerzeit 1881“ hat Ziegler schon das auch online verfügbare Kartenspiel „Gefahrstoffe – Ach was!“ entwickelt, das den Untertitel „Eine Unterweisungshilfe im Taschenformat“ trägt. Ziegler hält es gerade für Azubis oder Schüler bestens geeignet, um Gefahrstoffsymbole und dazugehörige präventive Maßnahmen des Arbeitsschutzes kennenzulernen. Damit hat Ziegler die Welt der sogenannten Serious Games, übersetzt: ernsthafte Spiele, betreten.

Vereinfacht gesagt, beinhalten Serious Games Lernen beim Spielen, weil es dann Spaß macht und sich nicht nach Lernen anfühlt. Sie verwendet im Spiel die echten Gefahrstoffsymbole, sie werden erklärt korrekt benannt. Zu jedem Gefahrstoff gibt es Karten zur Prävention und Reaktion, also Schutz- oder notwendige Rettungs- und Notfallmaßnahmen. All das ist in ein Sammel-Spiel verpackt, bei dem ein Spieler Symbol-Sets aus mindestens drei Karten in seine Auslage platzieren darf. Ziel ist es, alle Karten von der Hand zu bekommen.
Nächster Prototyp: „Unfallakte X“
Auf die aktuellen Gefahrstoffe folgt nun also der Arbeitsschutz in der „Gründerzeit 1881“. Susanne Ziegler betont aber: „Ich habe noch so viele Ideen. Es gibt so viele Möglichkeiten Serious Games sinnvoll zu nutzen.“ Da wäre zum Beispiel das Ermittlungsspiel „Unfallakte X“, bei dem Azubis echte Fälle in anonymisierter Form kennenlernen und mit realistischen Berichten, Formularen und Gefahrenbeurteilungen herausfinden sollen, wie es zu dem Unfall in dem Unternehmen kann. Und das ist bei Weitem nicht der einzige Entwurf, der nach Zieglers Aussage in ihrem Kreativraum und vor allem in ihrem Kopf steckt. Wer die sympathische Autorin mit dem ansteckenden Lachen kennengelernt hat, glaubt ihr das sofort.











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