In der Mitte runde Scheiben, auf denen Steine liegen, ein Tableau, auf dem wir bauen? Wer bei „Calçada“ an „Azul“ (oder seine Duel-Variante) erinnert wird, hat zwar auf den ersten Blick – danach aber auch nicht. „Calçada“ ist ein interessantes Plättchen-Lege-Spiel mit kreativem Auswahlmechanismus. Am Ende kommt es einerseits auf punkteträchtige Farben, andererseits auf geschickte Set-Collection an.

  • Autor: Konstantinos Karagiannis & Vangelis Bagiartakis
  • Illustration: Felix Wermke
  • Spielerzahl: zwei bis vier
  • Alter: ab zehn Jahren
  • Dauer: 45 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: keine
  • Verlag: Piatnik

Eins vorweg: Eine Sache hat „Calçada“ doch mit „Azul“ gemein. Die thematischen Ursprünge beider Spiele liegen in Portugal. Die „Calçada Portuguesa“ ist eine typische Art, Gehwege zu pflastern. Bei „Azul“ fliesen wir die Wände des portugiesischen Königspalastes in Evora.

Pflastersteine geben Weg vor

Zurück zum Spiel: Jeder am Tisch erhält ein Tableau und zwei Bonusplättchen. Für alle gemeinsam stehen Spielplan, Wertungstafel und die Calçada-Plättchen bereit. Von ihnen gibt es fünf Stapel in fünf Farben, jeweils drei Plättchen pro Farbe sind aufgedeckt und zeigen unterschiedliche Symbole, zu denen wir später kommen.

Auf dem Spielplan in der Tischmitte liegen auf sechs runden Feldern farbige Pflastersteine. Auf einem Feld null, dann einer, dann zwei und so weiter. Mit diesen Steinen und Feldern suchen sich die Spielenden ihre Calçada-Plättchen aus.

Spannender Auswahlmechanismus bei „Calçada“

Wer an der Reihe ist, wählt einen der Pflastersteine aus, sagt seine Farbe an und wie viele Steine insgesamt auf dem Feld des gewählten Steins liegen. Dann rückt er den Stein ein Feld in Pfeilrichtung weiter.

Danach darf der Spieler ein zur genannten Farbe passendes Plättchen nehmen und muss es auf dem Tableau auf ein Feld mit der zuvor genannten Zahl legen. Die Felder auf den Spielertableaus zeigen Werte von eins bis fünf. War die Anzahl der Pflastersteine sechs oder höher, darf das Plättchen auf ein beliebiges Feld wandern. All das klingt komplizierter als es ist. Hier ein Zugbeispiel in Bildern:

Plättchen nach Regeln platzieren

Fürs Platzieren der Calçada-Plättchen gibt es eine simple, aber wirkungsvolle Regel: Jedes Tableau ist in Bezirke mit zwei bis fünf Feldern verteilt. In jedem Bezirk dürfen nur Plättchen einer Farbe liegen. Sobald alle Felder eines Bezirks belegt sind, kommt es zur Zwischenwertung.

Hier liegt eine kleine Schwäche des Spiels: Die Grenzen der Bezirke sind schwer zu erkennen, wenn sie teilweise oder ganz mit Plättchen belegt sind, wie das zweite Foto oben zeigt. Ein breiterer Rahmen mit etwas mehr Luft zwischen den Plättchen wäre vielleicht hilfreich gewesen.

Wertung mit Würfel

Für die Wertung ist ein wenig Mathe nötig. Wir brauchen die Anzahl der Calçada-Plättchen im vervollständigten Bezirk und den aktuelle Wert der Farbe auf der Wertungstafel. Diese beiden Werte werden miteinander multipliziert. Die Punkte rückt der Spieler sofort auf seiner Punkteleiste. Danach sinkt der Wert der Farbe auf der Wertungstafel bis zu dem Punkt, an dem von dieser Farbe kein Plättchen mehr genommen werden darf.

Das bedeutet: Je früher man Bezirke voll macht, desto besser, weil dann der Multiplikator noch hoch ist. Allerdings dauert es nun mal, bis ein großer Bezirk voll ist. Wartet man darauf? Oder doch nicht? Eine wichtige Entscheidung, die bei „Calçada“ immer wieder zu treffen ist.

Plättchen tauschen oder Pflasterstein verschieben

Für Flexibilität sorgen Bonusplättchen, deren Einsatz es ermöglicht entweder zur Wahl stehende Plättchen einer Farbe zu tauschen oder vor dem eigenen Zug einen Pflasterstein zu verschieben und so eine günstigere Ausgangslage zu bekommen.

Sobald auf der Wertungstafel zwei Farben aus dem Spiel genommen sind, wird nur noch die aktuelle Runde zu Ende gespielt. Es folgt die Schlusswertung.

Motiv-Rudelbildung erwünscht bei „Calçada“

Jetzt kommen die Symbole auf den Calçada-Plättchen ins Spiel. Es gibt eine Bar, einen Brunnen, einen freien Platz, eine Palme und eine Straßenbahn. Für aneinander angrenzende gleiche Symbole, egal welcher Farbe, gibt es Punkte – je mehr, je größer die Gruppe ist. Einige wenige Zähler bringen auch Plättchen in nicht vollständigen Bezirken und übrige Bonusplättchen. Wer die meiste Punkte hat, gewinnt und hat den schönsten Bereich der Calçada errichtet.

Das Fazit: Die kreative Art der Plättchenwahl funktioniert gut, der sinkende Farbwert bringt einen weiteren interessanten Dreh ins Regelwerk. „Calçada“ ist ein schönes, nicht zu komplexes Spiel mit kleinen optischen Schwächen, das nicht langweilt und genug Entscheidungen bietet, um wieder auf den Tisch zu kommen. Außerdem ist es über das Wertungstableau gut an die Anzahl der Spielenden anpassbar.

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