Ohne jede Übertreibung: „Am Goldenen Fluss“ ist für mich ein Höhepunkt des vergangenen Spielejahres. Wir reisen mit unseren Schiffen über den Goldenen Fluss, handeln, bauen, erfüllen Aufgaben und sammeln Siegpunkte. Das Kennerspiel verlangt von nicht ganz so erfahrenen Spielern einiges, aber nicht zu viel. Dabei ist es unglaublich belohnend und auch noch einfach schön. So macht Spielen glücklich und zufrieden.

  • Autor: Keith Piggott
  • Illustration: Francesca Baerald (Spielplan & Innen), Joshua Cairos (Schachtel), Sheila Amajda, Asep Ariyanto, Mauro Dal Bo, Carlos Palma Cruchaga, Nele Diel, Derek Edgell, Kevin Goeke, Lin Hsiang, Amelie Hutt, Agri Karuniawan, Drazenka Kimpel, Alayna Lemmer, Diego Gisbert Llorens, Joyce Maureira, Chris Ostrowski, Borja Pindado, Polar Engine, Andrew Sonea, Le Vuong
  • Spielerzahl: zwei bis vier
  • Alter: ab zwölf Jahren
  • Dauer: 60 bis 90 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: wer zuletzt Reis gegessen hat
  • Verlag: Kosmos

Die Spielenden befinden sich im fiktiven Reich von Rokugan, in dem auch ein Sammelkarten- und ein Rollenspiel angesiedelt sind. Der sagenumwobene Goldene Fluss lässt wohlhabende Kaufleute von Ort zu Ort segeln. Die Handelsklans von Krabbe, Mantis, Kranich und Skorpion wollen sich den meisten Einfluss am Fluss sichern. Davor steht aber nach dem recht umfangreichen Aufbau einige Arbeit.

Würfelwurf bestimmt jeden Zug

Kern der Spielmechanik ist ein Würfel, den jeder Klan sein eigen nennt. Zu Spielbeginn und zum Ende jedes Zugs wird gewürfelt, danach ist Zeit, den nächsten Zug zu planen. Die gewürfelte Zahl kann drei Aktionen nach sich ziehen: Bauen, Segeln oder Ausliefern.

Entweder rückt ein Spieler eines seiner beiden Boote um so viele Flussfelder weiter und sammelt Handelsware, Gold oder verschiedene Punkte ein. Oder er baut in der zur Zahl passenden der sechs Regionen auf dem Spielplan oder er handelt mit dem passenden Kunden. Wie er dafür an Waren kommt? An den Gebäuden am Fluss.

„Am Goldenen Fluss“ ist Koku die Währung

Also bauen wir erst mal. In jeder Region gibt es fünf Bauplätze, die zwischen fünf und zwölf Koku kosten, den Münzen „Am Goldenen Fluss“. Zur Auswahl liegen immer vier Bauplättchen auf dem Spielplan. Bezahlt ein Spieler die geforderten Koku, darf er eines der Plättchen wählen und auf den Bauplatz legen. Möglich sind Häfen, Schreine, Anwesen und Märkte.

Hier beginnt der Belohnungsreigen. Der Spieler gewinnt in der Region, in der er gebaut hat, an Einfluss(-punkten). Also rückt er seinen Marker auf der Leiste der Region auf dem Spielplan vor. Überschreitet er dort Belohnungsfelder – ihr ahnt es –, bekommt er auch die.

Glitzernde Abschnitte des Flusses

Auf dem Kreis mit Einflusspunkten auf dem Plättchen landet dann sein Klanmarker, der die Sofortbelohnung abdeckt. Nicht, dass wir später mit den anderen Belohnungen durcheinander kommen.

Als nächstes schauen wir uns den Fluss genauer an. Der besteht aus 14 glitzernden Abschnitten. An jedem liegen vier Bauplätze beziehungsweise später Gebäude. Hält das Schiff auf einem Abschnitt, erhält der Spieler von allen vier Bauplätzen oder Gebäuden die gen Schiff zeigenden Belohnungen. Ja, alle!

Kaiserliches Schiff segelt „Am Goldenen Fluss“

Außerdem bekommen die Besitzer der Gebäude die Belohnung, die am flussfernen Ende des Bauplättchens zu finden ist. Es regnet also für alle Waren – Reis, Seide oder Porzellan –, Koku, Einfluss in der Region, Siegpunkte oder göttliche Gunst, zu der wir gleich noch kommen.

Die Waren wiederum nutzt ein Spieler, um Aufträge von Kunden zu erfüllen. Zufrieden stellen wollen wir Mönche, Adlige, Händler, Handwerkerinnen oder Älteste. Nahezu jeder erfüllte Auftrag sorgt am Ende für Siegpunkte, aber auch für Soforteffekte oder Vergünstigungen. Gern früh genommen ist der Adlige, weil er aus einem unserer Schiffe ein Kaiserliches Schiff mit Zusatzfähigkeit macht.

Göttliche Gunst beeinflusst Würfelglück

Falls sich das wer fragt: Das Spiel endet nicht, wenn die Schiffe das Ende des Flusses erreichen. Stattdessen gibt’s bei Überschreiten des Flussendes Waren oder Koku, danach landet das Schiff wieder am Anfang des Stroms und weiter geht die Reise von der Spitze der Welt, durch den Shinomen-Wald, die Ebene der Drei-Mann-Alianz, die Wälder der Kitsune, die Liebe-Sümpfe und schließlich wieder zur Fischbucht der Beben.

Vor und nach dem Zug eines Spielers sind noch zwei Dinge wichtig. Vor einem Zug kann er das Würfelergebnis mit je einem Punkt der göttlichen Gunst um eins nach oben oder unten korrigieren. Das geht beliebig oft, solange er genug Gunst hat.

Besuch des Kaisers nach erster Ära

Nach dem Zug prüft er außerdem, ob er in einem Bereich Meisterschaft erreicht hat. Drei Karten mit Zielen liegen dafür aus – beispielsweise in jeder Region ein Gebäude bauen oder an zwei Kunden gleichen Typs haben. Der Klanchef, der das Ziel zuerst erfüllt, erhält die meisten Punkte, der Letzte geht leer aus.

Unsere muntere Flussfahrt bekommt eine Zwischenwertung, nachdem die Hälfte der Bauplättchen gespielt sind. Denn nach der ersten Ära kommt der Kaiser zu Besuch. Das bedeutet, jeder erhält die flussferne Belohnung seiner Gebäude.

Siegpunktreigen in Schlusswertung

Ist die zweite Ära – die zweite Hälfte der Bauwerke – gespielt, endet die Partie mit einer Fluss- … äh … Schlusswertung. Auf den Belohnungs- folgt der Siegpunkteregen. Die gibt’s für Einfluss in den Regionen und für möglichst viele zufriedengestellte Kunden, die wiederum selbst je nach Schlussbedingung auch nochmal Punkte bringen. Wer die meisten Punkte hat, hat das erfolgreichste Handelsimperium „Am Goldenen Fluss“ aufgebaut.

In jeder einzelnen Partie hat mich „Am Goldenen Fluss“ glücklich und zufrieden zurückgelassen. Erstgespielt bei den Kosmos-Pressetagen 2025 kam es danach immer wieder auf den Tisch, funktioniert zu zweit genauso gut wie zu viert, weil es prima an die Anzahl der Spielenden anpassbar ist. Das geht bei den Zielen genauso wie mit den von Beginn an abgedeckten Gebäuden, um für die passende Auswahl zu sorgen.

Wohlfühl-Kennerspiel mit tollem Material

Der golden schimmernde Fluss auf dem Spielplan, die Karten, die Schiffe, die unterschiedlichen Klantafeln – das Material ist einfach wunderschön. Die Mechaniken der Aktionsauswahl mit Würfel, der Handel, das Bauen greifen alle prima ineinander.

„Am Goldenen Fluss“ ist ein perfekt geöltes Uhrwerk, das zwar nichts gravierend neu macht, aber bekannte Mechaniken bestens zu einem Wohlfühl-Kennerspiel zusammenfügt. Mit den Klanlegenden ist auch schon eine Mini-Erweiterung enthalten. Ich mag einfach alles daran und hätte es gern noch viel öfter auf dem Tisch.

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