Da hat Horrible Guild aber eine Schönheit rausgehauen: „Railroad Tiles“ ist in der zugegebenermaßen nicht günstigen Collector’s Edition bei mir eingezogen. Und ich find’s auf Anhieb ganz wunderbar! Es ist unterhaltsames Tile-Placement mit genau richtig tüfteliges Gepuzzle an der eigenen Landschaft, mit tollen Token und insgesamt sehr, sehr schönem Material. Das ist übrigens in der großen Box hübsch fein säuberlich in Stoffbeuteln sortierbar. Hach, „Railroad Tiles“, ich mag dich einfach – sogar noch ein bisschen mehr als den kleinen Bruder, den Roll&Write-Klassiker „Railroad Ink.“

Der Aufbau ist schnell erledigt: Es gibt einen Bahnhof, in dem die Reihenfolge der Spielenden mit Figuren mit Hut zu Beginn zufällig festgelegt wird. Die Streckenplättchen landen in ihrem Beutel. Es gibt einen Vorrat für Züge, Autos, Reisende, Siegpunkte und Sterne. Von letzteren erhält jeder Spieler einen, außerdem noch ein Start-Streckenplättchen. Die runden Platzierungsmarker landen umgedreht auf der Bahnhofsuhr – die passenderweise und detailverliebt auf ihrer Rückseite zu finden ist.

Plättchen nehmen und anlegen bei „Railroad Tiles“
Nun kommen je nach Anzahl der Spieler unterschiedlich viele Plättchen in Spalten unter den Bahnhof, der erste Platzierungsmarker wird umgedreht und auf das Feld unter der Uhr gelegt und los kann’s gehen.
Nach der zufällig festgelegten Reihenfolge wählen die Städteplanerinnen nacheinander mit ihrer Figur eine Spalte, nimmt alle Plättchen und bauen sie an ihre Start-Streckenplättchen an. Die Quadrate zeigen Schienen und Straßen mit Feld oder Ort als „Umland“ und manchmal noch eine kleines Symbol für Auto, Zug oder Reisenden.
Übliche Platzierungsregeln
Es gilt, was wir von allerlei Plättchenpuzzlen kennen: Straße nur an Straße, Schiene nur an Schiene. Eine leere Seite ist eine Plättchenkante ohne Straße oder Schiene. Diese Kanten, die dann „nur“ grünes Feld oder blaue Ortschaft zeigen, darf ein Spieler aneinander legen. Dabei sollte er aber die später folgende Stadt-Wertung im Hinterkopf behalten, dazu gleich mehr. Man darf die Plättchen umdrehen, die Rückseite zeigt eine gespiegelte Abbildung, was bei Ecken und Kurven wichtig sein kann.

Genau zwei Mal pro Partie darf eine Spielerin entscheiden, ein Plättchen abzulehnen. Ansonsten muss sie immer alle genommenen Plättchen legen. Nur wenn sie eines gar nicht anlegen kann, muss sie es abwerfen.
Marker wandern unter der Uhr
Haben alle ihre Plättchen platziert, werfen wir einen Blick auf die Platzierungsmarker unter der Uhr im Bahnhof. Direkt darunter ist der Warteraum. Es ist eine Art Vorschau auf den in der nächsten Runde dazukommenden Marker.
Vor Beginn der zweiten Runde füllen die Spielenden nicht nur die Plättchen unterm Bahnhof wieder auf und legen je nachdem, wo ihre Figur in der Auswahl stand, die neue Zugreihenfolge fest. Sie decken auch einen neuen Platzierungsmarker auf und schieben den bisherigen aus dem Warteraum ein Feld nach rechts und damit in den aktiven Bereich des Bahnhofs. Dort ist Platz für zwei Marker, danach wandern sie aus dem Warteraum und sind aus dem Spiel.
Pinpoints bringen Figuren ins Spiel
Das bedeutet, ab der zweiten Runde gibt es Punkte. Wie? Dank der Platzierungsmarker, die ein oder zwei Symbole zeigen, die stark an Standortmarkierungen – Pinpoints – auf digitalen Karten erinnern. Die Spieler dürfen pro Marker im aktiven Bereich eine dem Pinpoint entsprechende Figur – Auto, Zug oder Reisender – aus dem Vorrat nehmen und auf ein Plättchen in ihren Auslagen mit dem passenden Symbol stellen. Wer einen Sternmarker einsetzt, darf sich statt des angezeigten Symbols eine andere Art Figur aussuchen.
Das bringt sofort Siegpunkte. Bei Zug und Auto sind es jeweils so viele, wie gleiche Figuren an einer durchgehenden Strecke von Schiene oder Straße stehen. Für Reisende ist das Netzwerk für mögliche Punkte noch größer, weil sie an Bahnhöfen von Schiene auf Straße umsteigen können. Für eins bis fünf Figuren gibt es eins bis fünf Punkte, jede weitere Figur im passenden Streckennetz bringt ebenfalls fünf Zähler.

Drei Häuserplättchen bilden eine Stadt bei „Railroad Tiles“
All das wiederholt sich so lange, bis der letzte Marker den Warteraum verlassen hat und im aktiven Bereich des Bahnhofs liegt. Die Gruppe spielt diese Runde noch zu Ende, danach folgt die Schlusswertung. Die Raumplaner bekommen je fünf Punkte pro Stadt, also drei oder mehr Plättchen, deren Ortsseiten aneinander angrenzen. Ihr erinnert euch? Stadtwertung im Hinterkopf behalten!

Für das größte Rechteck in der eigenen Auslage gibt es einen Punkt pro beteiligtem Plättchen. Für Minuspunkte – wir kennen es aus „Railroad Ink“ – sorgen offene Enden, also Straßen oder Schienen die ohne Abschluss an der Außenkante der eigenen Auslage zu finden sind. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt. Und weil es so schön und flott gespielt ist, folgt meistens direkt noch eine Partie „Railroad Tiles“.
Sonderregel für ein Duo
Für zwei Spieler gibt es eine Sonderregel, derzufolge bestimmte, liegen gebliebene Plättchen am Ende einer Runde aus der Auslage fliegen. So soll genug Abwechslung in die Plättchenwahl kommen.

Nach der erste Partie können die Straßen- und Schienenbaumeisterinnen die 28 Aufgabenplättchen mit ins Spiel nehmen. Auf jedem ist eine in der Anleitung auch gut erklärte Anforderung zu sehen. Das Rathaus will beispielsweise links, recht, oben und unten je zwei angelegte Plättchen, der Flughafen muss in der gleichen Reihe oder Spalte wie ein Plättchen liegen, das zu einer Stadt gehört – wir erinnern uns an die Stadtwertung! Es gibt sieben verschiedene Aufgabenplättchen je vier Mal. Es sind aber immer maximal drei der sieben Sorten im Spiel. Dann erhält jeder Spieler von jeder Sorte eins, also drei verschiedene.
Aufgaben erfüllen, Erweiterungen erkunden
Wie sie ins Spiel kommen? Über die Platzierungsmarker. Zeigen sie ein Fähnchen, muss jeder Spieler ein Aufgabenplättchen seiner Wahl in seine Auslage bauen. Am Spielende gibt es fünf Siegpunkte pro Aufgabenplättchen, dessen Anforderung erfüllt ist.

Die wunderbare Collector’s Edition hatte zusätzlich noch viele Erweiterungen in der edlen Schachtel, die alle in eigenen, hübschen Beuteln verpackt sind.
Welt und Kanäle
In der Welt-Erweiterung kommen 40 neue Aufgabenplättchen ins Spiel, außerdem neue Figuren und dazugehörige Referenzplättchen. Es gibt je sechs Figuren, die mit Autos und Zügen in Zusammenhang stehen und sieben, die zu Reisenden gehören. Das reicht vom Bus, Traktor über Güterwagon und Dampflok bis Polizist, Bürgermeister oder Tourist. Für eine Partie wählt die Gruppe für Auto, Zug und Reisende jeweils ein Figurenset aus, allein hier sind also viele, viele Kombinationen möglich.
Bei der an Venedig erinnernden Kanal-Erweiterung bauen wir neben Straßen und Schienen auch Kanäle, Endplättchen und vor allem putzige Gondeln und Brücken gibt.
Wüste und Seen
Soll es „Railroad Tiles“ mit Wüsten-Erweiterung sein, haben die Spieler es mit Wüstenrouten zu tun, sie können außerdem Wüstenstationen und Kamele platzieren.
Wo Wüste ist, ist Wasser weit. Bei „Railroad Tiles“ mit der Seen-Erweiterung nur einen Beutel entfernt. Diesmal bauen wir Seen in unsere Landschaft ein, es gibt Fähren und Häfen.
Monumente und Countryside
Wollen wir dagegen ein bisschen epischer werden? Dann bringt die Monumente-Erweiterung genau das! Zu neuen Streckenteilen kommen Archäologen, Tempel, Türme und Torbögen ins Spiel.
Es geht aber auch ländlicher. Mit der Countryside-Erweiterung – am ehesten wohl mit „Auf dem Land“ zu übersetzen – kommen neue Streckenplättchen, und plötzlich haben wir Kühe, Schafe und Schweine auf unserer wachsenden Auslage zu platzieren.
Energie und Wald
Stromleitungen verlegen wir dagegen bei der Energie-Erweiterung und stellen dazu auch noch Windkraftanlagen auf.
Zu guter Letzt hätten wir auch noch die Wald-Erweiterung mit Aussichtstürmen.
„Railroad-Tiles“ mit zig Ausbaumöglichkeiten
Die meisten der Erweiterungen bringen eigene Strecken- und Aufgabenplättchen mit. In den jeweiligen Anleitungen ist nahezu immer ein eigener Rundenaufbau für die Auslage vorgegeben, der zeigt, wie die Plättchen zusammen mit denen des Grundspiels in eine Partie kommen.
Eine Minierweiterung – als ob es die noch bräuchte, bei dem gerade aufgezählten – wirft noch ein Krankenhaus und einen Bauernmarkt als Aufgabenplättchen hinzu.

Nicht nur wegen Solo-Modus tolle Spiele-Unterhaltung
Wir sind mit den Erweiterungen bei Weitem noch nicht durch. In den Anleitungen steht das nirgendwo so klar, aber laut Internet sollte man maximal zwei gleichzeitig mit dem Grundspiel kombinieren. Sonst werden wohl die Wahrscheinlichkeiten, passende Plättchen für Kanäle, Stromleitungen und Wüstenstrecken zu bekommen, zu gering. Wir probieren das bei Gelegenheit mal aus, versprochen!
Aber auch ohne Collector’s Edition ist „Railroad Tiles“ ein Spiel, das lange richtig gut unterhält und auch noch über einen Solo-Modus verfügt. Es spielt sich ohne Malerei für mich fluffiger als „Railroad Ink“, das ich auch gerne mag. Aber „Railroad Tiles“ ist einfach toll. Das Material ist schön, die Regeln einfach genug, um Wenig-Spieler nicht zu überfordern. Zugleich ist es aber auch puzzelig-hirnverzwirbelnd herausfordernd genug, um immer wieder auf den Tisch zu kommen.































































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