Beetown Beatdown: Prototyp-Test mit grandiosen Karten

Man hat’s nicht leicht als Honigbiene. Tag ein, Tag aus Nektar und Pollen sammeln, die Gegend nach mehr Ressourcen untersuchen, Honig produzieren und nebenbei auch noch den Bienenstock verteidigen. Was machen die fleißigen Bienchen, wenn sie mal die Fühler voll haben von der ganzen Arbeit? Sie geben sich gegenseitig bei einer gepflegten Partie „Beetown Beatdown“ eins auf die Mütze. Ich durfte einen Prototyp des angriffslustigen Area-Control-Spiels testen und lache immer noch über die herausragend illustrierten Karten.

  • Spielerzahl: eins bis sechs
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: 45 bis 90 Minuten
  • Lustige Startspielerbestimmung: wer zuletzt in einer Blüte eingeschlafen ist, während er/sie Nektar gesammelt hat
  • Verlag: Beetown Beatdown (auf Instagram)

In „Beetown Beatdown“ spielt jeder ein eigenes Bienenvolk mit einem eigenen, von Ressourcen umgebenen Stock als Ausgangspunkt. Das ist ein bisschen wie bei „Catan“: Man kann am Anfang sehr viel Glück oder sehr viel Pech mit der Ressourcenmenge haben, das lässt sich aber beim Aufbau schon regulieren.

Denn wenn ein Stock nur von Plättchen mit der doppelten und dreifachen Ration von Pollen und Nektar, genannt Torte und Tetrapack, umgeben ist und ein anderer nur von einfachen, wäre das Spiel schnell vorbei.

Typisch Biene: Erst mal Ressourcen sammeln

Übrigens sorgt der doppelseitige Spielplan dafür, dass je nach Spielerzahl auch genug Platz für die Ausbreitung der Völker ist, bevor man sich so richtig in die Quere kommt. Also los geht’s. Zum Start jeder Runde sammeln die Bienchen Ressourcen ein.

Jede Bienenkönigin bekommt alles, in ihrem Einflussbereich. Das sind Plättchen angrenzend an die Bienenstöcke ihrer Farbe und später auch Plättchen auf dem Feld eines eigenen Stocks. Die Ernte eines Feldes fällt aus, wenn eine gegnerische Biene darauf sitzt, die den Einflussbereich stört, oder es ein erschöpftes Plätttchen ist, das passenderweise nach Wüste aussieht.

Arbeiterinnen und Drohnen kosten Pollen und Nektar

Dann ist es Zeit, einen Blick auf unser Spielertableau zu werfen. Dort sitzen fünf Arbeiterbienen und fünf Drohnen bereit. Der Einsatz der ersten Figur ist jeweils umsonst, jede weitere kostet ein Mal Pollen (Arbeiterinnen) oder einen Nektar (Drohnen) mehr als die vorherige.

Die Arbeiterinnen aktivieren ein beliebiges der vier Felder auf dem eigenen Tableau. Drohnen dagegen sind ein bisschen doof und können nur dort landen, wo schon eine Arbeiterbiene eingesetzt ist.

Honig verstärkt Aktionen bei „Beetown Beatdown“

Jede Aktion kann im Laufe des Spiels durch den Einsatz von Honig verstärkt werden. Ein Spieler darf vor seiner Aktion Honigwürfel für Upgrades bei beliebig vielen Aktionen einsetzen. Ingesamt kann jede Aktion aber maximal vier Upgrades bekommen. Dazu müssen wir aber erst mal mehr Honig als den einen Würfel, den wir zum Start haben, verdienen, dazu später mehr.

Die erste mögliche Aktion ist, Kampfbienen zu rekrutieren. Für ein Pollenplättchen für jeden Bienenstock, auf oder neben dem die Neulinge ankommen sollen, gibt es vier Kampfbienenplättchen, dank Honigverbesserung können es bis zu acht sein. Die Königin darf sie beliebig auf Felder rund um den Stock oder die Stöcke verteilen, für die sie Pollen bezahlt hat.

Bienen auf Wanderschaft und Erkundungstour

Aktion zwei: Bienen auf Wanderschaft schicken. Das bedeutet, man nimmt eine Gruppe von Bienen und bewegt sie ein Feld weit, ihr ahnt es, mit Honig geht es pro eingesetzten Würfel einen Schritt weiter.

Die in Notfällen sinnvolle dritte Aktion ist, ein Ressourcenplättchen im Umfeld eines eigenen Bienenstocks zu erschöpfen. Dafür erhält der Spieler die Ressource plus die von einem angrenzenden, noch nicht erforschten Feld, für das ein neues Ressourcenplättchen aufgedeckt wird. Mit Honig gibt’s mehr Ressourcen pro Erschöpfen-Aktion.

Teurer neuer Bienenstock

Viel schöner, aber auch viel schwerer zu erreichen ist Aktion vier: der Bau eines neuen Bienenstocks. Denn der ist teuer. Das neue Bienenheim kostet entweder zehn eigene Kampfbienen, die als Gruppe auf einem Feld stehen, sowie ein Pollenplättchen und je eins für jeden bereits vorhandenen Stock.

Oder der Spieler muss acht Honigwürfel, die er bereits als Upgrades auf dem eigenen Tableau eingesetzt hat, hergeben – und verliert damit natürlich auch die Verbesserungen der Aktionen. Honig macht den Bienenstockbau günstiger.

Bienenkampf bei „Beetown Beatdown“

Wir haben also verstanden: Wir brauchen Honig, um ein stärkeres, sich schneller ausbreitendes Volk zu werden. Und wie geht das? Indem wir andere Völker bekämpfen, das Spiel heißt ja nicht zum Spaß „Beetown Beatdown“. Wobei, eigentlich schon… Egal. Weiter!

Immer, wenn Kampfbienen auf andere Kampfbienen oder einen anderen Bienenstock treffen, kommt es sofort zum Kampf, sind ja schließlich Kampfbienen.

Ziel ist hoher Kampfwert

Dann wählen die Kontrahenten mindestens eine Kampfkarte, für je einen Würfel Honig darf ein Spieler je eine weitere Karte spielen.

Ziel ist es, mit den Karten einen möglichst hohen Kampfwert zu bekommen. Aber an dieser Stelle sei verraten: Erst mal seid ihr alle mit dem Durchschauen der Karten beschäftigt. Denn die sind einfach herausragend gut und das sag’ ich nicht nur, weil ich gute und manchmal auch schlechte Wortwitze echt mag.

Illustrierter Rundumschlag mit Bienenwortwitz

„Beetown Beatdown“ macht einen illustrierten Rundumschlag durch Geschichte, Popkultur, Serien, Filme, Schauspieler, Bücher und mehr und packt in all diese Namen und Figuren irgendwo ein „bee“ rein.

Das reicht vom „Matrix“-mäßig angezogenen Beeanu Beeves über Beeonardo da Beenci, Ron Beesley und R2Bee2 bis zu Daenaris, Beengis Khan und ich könnt’ mich immer noch wegschmeißen deswegen. Es ist einfach großartig! Darum hier eine Bildergalerie davon:

Gute Spielhilfe unterstützt bei Kampfrechnung

Aber zurück zur Bienenprügelei. Um den Kampf richtig auszuführen, gibt es eine wirklich gute Spielhilfe, die farblich kennzeichnet, was wann zu tun ist. Denn es gibt vielerlei Effekte, die bezahlt, dazugezählt oder abgezogen werden, ehe am Ende fast der Kampfwert beider Kontrahenten feststeht. Apropos Spielhilfe: Davon gibt es so einige im Prototyp. Gut so!

Nochmal zurück zum Kampf: Jetzt addiert jeder noch seine am Kampf beteiligten Bienen. Wer nun den höheren Wert hat, gewinnt und bekommt zwei Honig, der Verlierer einen Honig, außerdem muss er seine Bienen zurückziehen und auf seinem nächsten Stock parken.

Echter „Beetown Beatdown“: Angriff auf Bienenstock

Greift ein Spieler den Stock eines anderen an, fliegen sofort zehn Kampfbienen aus dem Stock zur Unterstützung herbei. Gewinnt der Angreifer trotzdem dank des höheren Kampfwerts, darf er den gegnerischen Stock durch einen seiner eigenen Farbe ersetzen.

Kann oder will keine Königin mehr Aktionen ausführen und hat gepasst, endet eine Runde. Beim Protoyp signalisieren wir das mit einem LEICHT überdimensionierten Marker.

Böse Pestizide am Rundenende

Hat ein Volk drei oder mehr Bienenstöcke oder hat es geschafft, die Stöcke aller anderen Kolonien zu eliminieren, gewinnt es die Partie „Beetown Beatdown“. Ist das nicht der Fall, geht es in die nächste Runde, also Jahreszeit.

Zunächst fallen einige Ressourcenplättchen Pestiziden zum Opfer. Das bedeutet, jede Spielerin muss ein Plättchen, auf dem sich eigene Bienen oder Stöcke befinden, oder eines, das an ein eigenes besetztes Plättchen angrenzt, auf die Erschöpft-Seite drehen. Alle Bienen, die nun auf erschöpften Plättchen sitzen, werden in Rente geschickt, was unerfreulicherweise bedeutet, dass sie die gerade abgelaufene Jahreszeit nicht überleben.

Bienenallianzen ausdrücklich erlaubt

Jetzt kann jede Königin noch bis zu fünf Kampfkarten ablegen und neue ziehen. Anschließend kommen alle Arbeiterbienen und Drohnen zurück auf ihre Plätze auf dem Tableau und los geht die nächste Runde.

Ausdrücklich ist bei „Beetown Beatdown“ nicht nur das Handeln untereinander, sondern auch das Schmieden von Bienenallianzen gegen Mitspieler erlaubt. Wer aber zwei Pollen anbietet, damit ein anderer den dritten Spieler angreift, muss diese dann doch bitte auch wirklich bezahlen, wir sind schließlich ehrliche Bienenvölker!

Aggressiv und angriffslustig

„Beetown Beatdown“ ist nichts für all jene, die friedlich vor sich hin spielen, puzzlen, bauen wollen.

Um es deutlich zu sagen: Es ist ziemlich direkt auf die Fresse, angriffslustig, aggressiv und auf Krawall gebürstet, da täuschen auch die knuffigen, nein: grandiosen Illustrationen mitsamt Wortspielen auf den Karten nicht drüber hinweg. Fans von Area Control und Command & Conquer dürften aber große Freude damit haben.

S.T.I.N.G. als Bot-Gegner im Spiel

Erst recht, weil es extrem variabel ist. Wer will, kann S.T.I.N.G., den „Surveillance Tactic Insect Network Gatherer“, als Gegner mitspielen lassen und dann auch im Solospiel antreten. S.T.I.N.G. wird über Karten gesteuert, Übersichten helfen beim richtigen Vorgehen.

Aus mehr als 120 S.T.I.N.G.-Karten lassen sich verschiedene Decks erstellen, was zu unterschiedlichen Taktiken des virtuellen Gegners führt. Das ist clever und sorgt für einen hohen Wiederspielreiz.

Zusatzmodule und Regeln für Fortgeschrittene

Für den gibt es auch noch Relgen für Fortgeschrittene sowie sechs Zusatzmodule, die feindliche Raupen und Ameisen, eine Goodie-Hütte, die Belohnungen mit sich bringt, für noch mehr Abwechslung ins Spiel holen, meistens über zu ziehende Ressourcenplättchen. Da steckt also ganz schön viel Spiel in der schwergewichtigen Prototyp-Schachtel.

Die Crowdfunding-Kampagne von „Beetown Beatdown“ soll 2026 starten. Das Spiel hätte es verdient, produziert zu werden.

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